# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_September 1855_S262 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 262 Wie werden wahrhaft lutherische Gemeinden gegründet ꝛc. und seines besonderen Etwas — denn es wäre ja eine Schande, wenn nicht jeder dieser Wortführer etwas Neues aufbrächte, sollte es auch nicht mit dem kirchlichen Bekenntniß stimmen, ja dem einfältigen Schriftverstande zuwider laufen — höchstens pietistisch=gesetzliche Werkler sind an ihre Stelle getreten. Was ist von diesen, denen die evangelisch=lutherische Seelsorge, der Praxis und Erfahrung nach, etwas ganz Neues und Fremdes ist, für uns, als Helfern, zu erwarten? — Darum thun wir am Besten, wenn wir, schon für die rechte Heranbildung und Befestigung der pastoralen Gesinnung uns an unsre lieben Väter und Lehrer halten, die unter dem hellen Sonnenschein und in dem Mittagsglanze des Evangeliums lebten, und mit dem Herzen in dem kirchlichen Bekenntnisse eingewurzelt waren, durch und in deren Munde die zeugende und bekennende, lehrende und wehrende Kirche sich als eine Säule und Grundfeste der seligmachenden Wahrheit erwies, die mit dem Evangelio auch Vieles und Großes zu leiden hatten, die in der Kreuzesschule der äußerlichen Trübsale und der innerlichen Anfechtungen stetiglich wohl geübt wurden und in denen der heil. Geist auch für die gottgefällige Ausrichtung der echten und rechten Seelenpflege an ihren einzelnen Kirchkindern ein sonderliches evangelisches Gnadenlicht der Erkenntniß und Weisheit angezündet hatte. Wer aber ihren Fußtapfen folget, der wird auch auf diesem Gebiete der kirchlichen Amtswirksamkeit eben so gesichert sein vor dem antievangelischen und deshalb antilutherischen Abwege der papistischen Kirchendiener, als vor dem unevangelischen und deshalb unlutherischen Abwege der spiritualistischen und schwärmerischen Prediger. Denn was zunächst jenen Abweg betrifft, so ist klar und offenbar, daß von einem papistischen Priester, als solchem, evangelische Seelenpflege seiner einzelnen Pfarrkinder unmöglich zu erwarten ist; denn wie kann der aus und nach Gottes Wort lehren, wehren, strafen, trösten, ermahnen u. s. w., der selber keinen gesunden Verstand des göttlichen Wortes in der heil. Schrift und am allerwenigsten vom Evangelio hat, der ihm durch die Decretalen seines aller(un)heiligsten Vaters zu Rom, durch die Beschlüsse des tridentinischen Concils, durch die falschen Auslegungen der scholastisch=päpstischen Lehrer und Schriftsteller zu Gunsten der Priesterschaft und ihres Hauptes in der Einmischung ihrer Satzungen und Gebote längst geraubt und verborgen ist? Wie kann der aus dem 1. und 10. Gebote seinen Pfarrkindern das erbsündliche Verderben ans Licht ziehen, der dasselbe als sündlich, sträflich und verdammlich leugnet, und es nach der Lehre seiner Kirche nur für Schwäche und Mangel und höchstens nur für einen Zunder, aber kein sündliches Feuer hält? — Wie kann der einen zerschlagenen und geängsteten Sünder stracks auf Christum weisen, der diesen selber als einen Richter anschaut, dessen Gnade erst durch die Fürsprache seiner heil. Mutter und anderer Heiligen zu erlangen sei, gleich als ob diese von allen Ecken und Enden, Gott gleich, die bedürftigen Anrufer hören, ihren Herzensgrund erkennen, und je nach Beschaffenheit desselben die Bitte um ihre Fürsprache erhören oder verweigern könnte? Wie kann der im Beichtstuhl einen armen Sünder, als ein