# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_September 1855_S261 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Wie werden wahrhaft lutherische Gemeinden gegründet ꝛc. 261 webte. — Denn deshalb allein hat der heilige Geist uns dieses herrliche Exempel St. Pauli in heiliger Schrift hinterlassen, damit wir daraus die Allmacht der erziehenden Gnade Gottes erkennen und allen Fleiß und Ernst daransetzen, ihm nicht nur gleich zu sein in der Reinheit der Lehre, sondern auch immer mehr ähnlich zu werden in der Reinheit, Tiefe, Weite, Innigkeit und Zartheit der Liebe, auf daß wir immer mehr Väter in Christo werden, die nicht nur durch den göttlichen Samen des Evangelii und durch die Taufe geistliche Kinder zeugen als Mitarbeiter und Mithelfer des heiligen Geistes, sondern dieselben auch durch die Gnade und Kraft dieses Geistes erziehen und dem Mannesalter in Christo entgegenführen. Doch nicht nur in dem auserwählten Rüstzeuge des Herrn, in dem hohen Apostel Paulus, haben wir das edle Vorbild eines rechtschaffenen evangelischen Seelsorgers und geistlichen Vaters, sondern, damit wir Zwerglein und Schwächlinge dieser letzten betrübten Zeit, die mehr Worte als Werke haben, von diesem Riesen und Helden der Liebe nicht erdrückt würden, so sind uns in unsern Lehrern und Vätern aus der Reformationszeit auch gar liebliche Muster seelsorgerischer Treue und Weisheit in ihren Büchern aufbewahrt, auf daß wir an ihnen uns heranbilden und gerne und fleißig zu ihren Füßen sitzen und von ihnen lernen. In der That hat die lutherische Kirche auch in diesem Zweige der theologischen Litteratur herrliche Schätze aufzuweisen, die freilich meist nur durch den Schlüssel der lateinischen Sprache aufzuschließen und leider für unsern Gebrauch auch in diesem Lande noch gar wenig ausgebeutet sind — Werke, denen schwerlich irgend ein pastorales Werk der Neuzeit an die Seite zu setzen ist; denn wie diese unsere Zeit bis jetzt überhaupt wenig gesunde, gründliche, im rechtfertigenden Glauben lebende, im Worte Gottes zum Himmelreich gelehrte, in den Wegen Gottes geübte, im Kreuze bewährte, in der innerlichen geistlichen Erfahrung mannigfaltig vom heiligen Geiste geschulte, Bekenntnißtreue und in der Liebe brünstige Christen aufzuweisen hat, sondern die Einen, auch innerhalb der lutherischen Kirche, mehr oder minder mit pietistisch=unionistischem Sauerteige behaftet sind, die Andern dagegen das wahre Christen=, Kirchen= und Lutherthum in diesen oder jenen Formen der Ceremonien, der Regierung und Verfassung, oder in einem mehr äußerlichen, schulgemachten Orthodoxismus suchen, — so giebt es nun im Besondern auch herzlich wenig gesunde, gründliche, wahrhaft evangelisch=lutherische Lehrer und Schriftsteller, und am allerwenigsten auf dem Gebiete der Pastoraltheologie und Casuistik, auch drüben in Deutschland. Die echt=evangelischen Hirten und Seelsorger der ältern bessern Zeit sind dort meist verschwunden und noch nicht recht wieder aufgekommen; dagegen großentheils (ich sehe hiebei ab von offenbar ungläubigen Predigern, die, zur Schande der deutschen Kirchenobern sei es gesagt, nicht nur nach wie vor in ihren Aemtern gelassen, sondern auch neu angestellt werden) geistliche Geschäftsleute, kirchliche Staatsbeamte oder staatliche Kirchenbeamte, Jünger dieser und jener theologischen Schule, Schüler und Anhänger dieses und jenes Meisters und Helden der theologischen Tageslitteratur