# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_September 1855_S260 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 260 Wie werden wahrhaft lutherische Gemeinden gegründet ꝛc. Alles sonderlich der Teufel wohl zu benutzen weiß, sowohl für sich, als in Verbindung mit Welt und Fleisch. Nach diesen allgemeinen Vorbemerkungen treten wir nun der Lösung unserer Aufgabe näher, die wir hier in zwei Fragen und deren Beantwortung versuchen wollen. 1. Welches ist der eigenthümliche Geist und Sinn eines treuen lutherischen Seelsorgers? 2. Welches sind die vornehmsten Stücke dieser seiner amtlichen Verrichtung? ad 1. Die kurze Antwort auf diese Frage ist: der evangelische; das ist, daß der heilige Eifer um Gottes Ehre und die herzlich erbarmende, lehrende, strafende, tröstende, unermüdlich thätige und duldende; fürbittende, harrende und hoffende, treue und weise Liebe Christi für jede einzelne, ihm befohlene Seele und für jede einzelne Erweisung seiner Seelsorge ihn bewege und treibe. Es gilt hier, daß ihm möglichst ununterbrochen vor Augen schwebe das hohe und hehre Exempel des großen Erzhirten und Bischofs seiner eigenen Seele, der eben so mächtig eiferte für Gottes Ehre und seine aus des Vaters Schooß hervorgebrachte reine evangelische Lehre von seinem vollgültigen und allgenugsamen Verdienst wider die Einrede der selbstgerechten, werkheiligen und für ihre Aufsätze und Menschengebote entbrannten Pharisäer, als er in herzlichem Erbarmen und brünstiger Liebe die bußfertigen Zöllner und Sünder annahm, von der siebenfach besessenen Maria Magdalena die Teufel austrieb, der Ehebrecherin und der übel berüchtigten Stadthure die Sünden vergab, bei dem in Sünden der Ungerechtigkeit ergrauten, nun aber heilsbegierigen Zachäus einkehrte, endlich auf der tiefsten Stufe seiner eigenen Erniedrigung, den Mörder am Kreuze neben ihm durch seine gnadenreiche Absolution, als den Erstling der neutestamentlichen Seligen, mit sich in den Himmel erhob, Summa, der in unermüdlich suchender Hirtenliebe und pflegender Hirtentreue das Verlorene wieder suchte, das Verirrte wiederbrachte, das Verwundete heilte, des Schwachen, als z. B. seiner eigenen Jünger, wartete, und ohne Unterlaß auch dem hundertsten verlorenen Schafe nachging. Es gilt aber auch hiebei z. B. den Apostel Paulus, einen Menschen gleich wie wir, im Auge zu behalten, der gegen die Zeugen seiner treuen Arbeit der Liebe, die Aeltesten der Gemeinde von Ephesus, um sie zu fleißiger Nachfolge zu ermuntern, in seinen Abschiedsworten zu Milet, Apostelgesch. 20, 31., also redet: „darum seid wacker und denket daran, daß ich nicht abgelassen habe, drei Jahre, Tag und Nacht einen jeglichen mit Thränen zu vermahnen.“ Denn wenn auch kein Diener der lutherischen, das ist rechtgläubigen Kirche Apostolische Geistes= und Wundergaben hat und haben soll, so könnte doch wohl jeder in der Brünstigkeit der Liebe Paulo näher kommen, wenn er so stetiglich, als der theuerwerthe Apostel, sich in dem Spiegel des Gesetzes reumüthig als den vornehmsten Sünder erkennete und ihm ähnlich eben so tief und weit in und aus der Gnade Gottes in Christo, und im rechtfertigenden Glauben lebte und