# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_September 1855_S259 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Wie werden wahrhaft lutherische Gemeinden gegründet ꝛc. 259 der Erziehung, Gewöhnung und Berufsweise, Amt, Alter, Geschlecht, näher= oder ferner verflochtenes Gebrechen; und dieselbe Erleuchtung bedarf er auch für den richtigen Einblick in die eigenthümliche Persönlichkeit eines jeden seiner Pfleglinge, je nach Gemüthsart, Verstand und Charakter, um auch in dieser Hinsicht die Geister zu unterscheiden. Der heilige Geist muß ihm darnach in den Sinn geben, welche Arznei der Lehre, der Strafe, des Trostes er, je nach Beschaffenheit des Uebels, aus der unerschöpflichen Apotheke der heiligen Schrift, mittel= oder unmittelbar anzuwenden habe. Der heilige Geist muß ihm nächst solcher Erkenntniß und Weisheit — da leider fast immer und überall bei Weitem mehr zu strafen als zu trösten ist — auch wider die Anläufe der Menschenfurcht einen fröhlichen und getrosten Muth in das Herz geben, auch ohne Ansehen der Person und mit Verschmähung menschlicher Gunst und Ehre, das Schwerdt des Geistes, das Wort Gottes tapfer zu schwingen. Der heilige Geist muß ihn selber endlich durch sein Wort trösten, wenn er je länger je mehr deß inne wird, wie vielen und großen Haß, Zorn, Bosheit, Groll, Tücke u. s. w. ihm gerade sein treuer Fleiß in der Seelsorge von seinen unlautern Kirchkindern eintrage, die von ihm nur wollen, daß er fein sanft predige, Pfühle unter die Arme und Kissen zu den Häupten lege, taufe, confirmire, Sacrament reiche und begrabe, sich aber sonstig, zumal strafender Weise, mit den einzelnen Seelen nicht befasse! Wie will aber ein Seelsorger die Gnade und Kraft des heiligen Geistes anders an sich ziehen, als wenn er sich selber recht in seine Zucht und Pflege ergiebt, und ihn zu seinem stetigen Seelsorger erwählt, dem er in seinem Beten und Flehen, Bitten und Fürbitten seine eigene und seiner Pfarrkinder Noth und Anliegen immerdar vorträgt und von Ihm wieder durch sein Wort aus heiliger Schrift erleuchtet, gestärkt und getröstet wird? Und dieses ist in der Summa das heilsame Achthaben auf sich selbst, das dem Achthaben auch auf die einzelnen Schafe und Schäflein der Heerde theils vorangehen, theils ohne Unterlaß dasselbe begleiten muß; denn unmöglich ist es, daß der ein treuer und geschickter Seelsorger sei, der nicht auf die eben angedeutete Weise den heiligen Geist zu seinem Seelsorger hat, der nicht des Gebets für seine eigene Seele fleißig wartet, der nicht für die wachsende Erleuchtung und Erbauung seiner eigenen Seele fleißig mit Gottes Worte umgeht, demselben nachdenkt und darin forschet und sonderlich mit den Pastoralbriefen des theuren Apostels Paulus nicht immer vertrauter wird; denn das ist gewiß, daß Teufel, Welt und Fleisch das Ihre endlich an ihm thun, um dieses zwiefache Achthaben in ihm immer mehr abzuschwächen und theils in den Sumpf der Trägheit ihn zu versenken, theils bei diesen und jenen Erfolgen in geistlichen Hochmuth, Leichtsinn und Vermessenheit zu stürzen, theils, bei dem vorherrschenden Widerstande so vieler seiner Kirchkinder, Zorn, fleischlichen Eifer oder umgekehrt Menschenfurcht und Verzagtheit oder ungläubige Welt= und Bauchsorge in ihm zu erregen, je nach seiner eigenthümlichen Gemüthsart, den damit verbundenen temperamentlichen Unarten und äußerlichen Umständen, welches