# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_September 1855_S258 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 258 Wie werden wahrhaft lutherische Gemeinden gegründet ꝛc. und vor Gott bekannt hat; — ist ihm, um Christi willen, wie der Sünderin, viel vergeben, und hat der heilige Geist aus dem Glauben zunächst eine brünstige Gegenliebe zu dem Hirten und Bischof seiner Seele in ihm entzündet; — kann er mit Petrus, auf des Herrn Frage: Hast du mich lieb? mit guter Zuversicht antworten: „Herr! du weißt alle Dinge, du weißt, daß ich dich lieb habe!“ — so soll er dann das Wort des getreuen Heilandes wohl im Gedächtniß behalten: „weide meine Lämmer, weide meine Schafe!“ das ist, er soll dieses stets bedenken, daß er nur aus dem Glauben und in der Liebe zu Jesu fähig und geschickt sei, ein jedes der so theuer mit dem Blute des Sohnes Gottes erkauften Lämmer und Schafe mit allem Fleiße zu weiden und zu hüten. Sodann aber soll ihm, eben um dieses hohen Werthes jeder einzelnen Menschenseele vor Gott willen, diese Wahrheit innerlich möglichst gegenwärtig bleiben, ja immer tiefer sich in sein Herz eindrücken, daß der Erzhirte und Bischof aller Seelen auch für diese Pflege jedes einzelnen der seinem Unterhirten durch mittelbare ordentliche Berufung befohlenen Schafe, Treue, das ist Beständigkeit der Liebe erfordert; er soll deß stets gedenken, wie durch untreue Versäumung auch nur einer Seele diese unwiederbringlichen Schaden nehmen, dagegen durch treue Hirtenpflege gar manches verirrte Schaf oder Schäflein Christi wiedergebracht, manches Verwundete geheilt, und ewig errettet werden könne. Es soll ihn locken und schrecken das zwiefache Wort Gottes, den treuen Knechten verheißen und den untreuen gedroht; denn jenen sagt Christus: „Ei du frommer und getreuer Knecht, du bist über Wenigem getreu gewesen; ich will dich über viel setzen; gehe ein zu deines Herrn Freude!“ und er wird empfangen den Gnadenlohn, daß er mit allen treuen Lehrern „leuchten wird, wie des Himmels Glanz und wie die Sterne Gottes immer und ewiglich.“ Zu diesen aber spricht der Herr: „so du den Gottlosen nicht warnest, so wird er um seiner Sünde willen sterben, aber sein Blut will ich von deiner Hand fordern.“ Nicht minder soll ihm stets eingedenk bleiben, daß für die rechte Pflege auch nur einer Seele, je nach ihrer geistlichen Nothdurft, nicht mehr und nicht minder als die Gabe des heiligen Geistes erforderlich sei, und daß er aus natürlichem Vermögen und Kräften dieses nicht im Stande sei; denn sei es, daß er auch gewisse natürliche Anlagen und Fähigkeiten dafür empfangen habe, als z. B. einen gewissen Grad von Menschenkenntniß, ein gesundes Urtheil, Besonnenheit u. s. w., so ist dies alles von Natur doch unter der Dienstbarkeit des Unglaubens und der Selbstsucht, und nur der heilige Geist kann jene natürlichen Gaben der Herrschaft der Sünde entreißen und muß sie neu beleben und zum rechten Dienst Gottes heiligen auch für die Pflege jeder einzelnen Seele. Er muß den Seelsorger erleuchten über die Gestalt der Seele in jedwedem seiner Kirchkinder und ihm, als einem geistlichen Arzte, den durchschauenden Blick verleihen, den Sitz des Uebels zu erkennen, sei dieses nun gleichsam eine mehr vorübergehende Krankheit und Ergriffensein von diesem oder jenem hitzigen Zeitfieber oder ein stehendes mit dem Temperamente,