# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_August 1855_S246 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 246 Die Union. rer; ob sie zu dieser Confession gehören wollten. Ich vermuthe, daß sich nicht allzuviel melden würden. Die Noth der Gemeinden und der Pfarrer würde schwerlich so groß werden. Daß man mit Schwachen im Glauben Geduld zu tragen haben würde, versteht sich von selbst und ist nur dasselbe, was schon mehrfach als zu allen Zeiten erforderlich erinnert wurde. Aber die Universitätstheologen, die wir ja freilich wohl als die, welche im Kampf für die Union wie pro aris et focis streiten, ansehen müssen? Nun, die würden es in Preußen wahrscheinlich etwa eben so machen, wie sie es in andern Ländern, wo die Union nicht eingeführt ist, auch machen. Wir würden uns nicht dafür erklären können, daß man an die ganze Generation der jetzt lebenden Professoren das Ansinnen stellen sollte, auf einmal streng lutherisch, oder streng reformirt zu lehren. Es würden sich aber von selbst wieder auf den lutherischen Universitäten lutherisch und auf den reformirten reformirt gesonnene Lehrer sammeln. Das, glaube ich, könnte die geringste Sorge sein, daß die theologische Wissenschaft darüber zu Grunde gehen möchte. Daß eine lutherische und reformirte Theologie doch kein Unding ist, zeigt auch neuerdings der Versuch Hagenbachs, das Princip der einen und der andern aufzufinden. Man könnte unterdessen ruhig abwarten, ob sich nicht noch einmal wieder die theologische Wissenschaft in die beiden Arme der lutherischen und reformirten theilen möchte. — Das höchste Ziel unseres Wünschens und Betens ist freilich die rechte Auflösung des Streites in der vollen Wahrheit, so weit ihre Erkenntniß für uns hier möglich ist; die Union, welche wirklich göttliches Recht hat, im einigen Glauben und Bekenntniß. Derselben wird aber durch die falsche Union, deren Princip ist Ignorirung des Dissensus, Tröstung über denselben damit, daß er doch das Fundament nicht berührt, nicht vorgearbeitet. Im Gegentheil, damit die rechte Union komme, muß die falsche weichen. Was Gott vereinigt hat, soll freilich der Mensch nicht scheiden, aber auch was Gott nicht geeinigt hat, das soll der Mensch nicht zusammenhalten wollen. Ist ein Bruch falsch geheilt, so ist kein andrer Rath, als, wie schmerzlich es auch sei, das Glied muß wieder abgebrochen werden; ist eine Wunde nur äußerlich geschlossen, die aber inwendig noch forteitert, so giebts keine andre Hülfe, als daß hineingeschnitten wird. So glauben wir es wohl mit der Liebe vereinigen zu können, es möchte die höchste Energie der Liebe sein, wenn wir die falsche Union bestreiten. Ob wir dabei mit „leichtem“ Herzen verfahren, ob wir „so tief von der Einheit gefallen und in die traurige Gewohnheit großer Spaltungen verstrickt sind, daß uns selbst das Bewußtsein dieses gefallenen Zustandes und die Sehnsucht nach Wiedergewinnung des verlornen Gutes allmälig verschwunden ist“ — das richte der Herr. Im Kampfe wird ja freilich das Herz leicht hart. Aber wer hat uns zu diesem Kampfe genöthigt? Das ist unser Trost, daß der Friedensfürst selbst gesagt hat, er sei nicht gekommen, Frieden zu senden auf Erden, sondern das Schwert, und daß das Wort Gottes auch ein Wehe hat, das uns treffen würde, wollten wir „Friede,