# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_August 1855_S245 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Die Union. 245 Gute kommen: Sie wußten nicht was sie thaten. Die Unwissenheit über dergleichen Dinge war ja erschrecklich. Aber dadurch wird die That selbst um nichts lobenswerther. Meint ihr denn, daß dieser Bau bestehen wird? Er will uns jetzt schon an den babylonischen Thurm gemahnen; und davon sieht man auch schon ein gut Theil, daß der Herr die Sprachen der Bauleute verwirret. Bildet ihr euch denn wirklich ein, mit solchen Consensen, in denen wir nur die lebendigen Bekenntnisse der beiden Kirchen als todte Leichname im Prokrustes=Bette zurechtgeschnitten auf einander liegen sehen, wolltet ihr euren bodenlosen Kirchen einen festen Grund unter die Füße geben? Ihr werfet uns Reaction vor, da wir doch keine Reactionäre sind, sondern nur den Faden kirchlicher Entwickelung da wieder aufnehmen wollen, wo ihn eine Zeit allgemeinen Abfalls, die ihr mit uns beklagt, hat niederfallen lassen. Aber wie sollen wir das nennen, daß ihr eine dreihundertjährige Kirchen= und Dogmengeschichte ignorirt und so verfahrt, als hätte man seit der Reformation fast nur leeres Stroh gedroschen, als hätte es sich in einem Streit, in dem ein Paul Gerhard Haus und Amt verließ, in dem auch jüngst noch so oft Schmach, Bann und Kerker erduldet ist, nur um des Kaisers Bart gehandelt. Oder ist unser Luther „von wilder, zu ungezählten Ungerechtigkeiten und Unwürdigkeiten fortreißender Leidenschaft“ regiert, sind seine Nachfolger blinde Fanatiker gewesen, daß ihr eilen müßt ihre verkehrten Schritte je eher je lieber wieder zurückzuthun? Aber so solltet ihr doch nicht versuchen mit einem Henotikon, das nichts weiter kann, als mit dem Consensus den Dissensus verdecken, den Bruch zu heilen. Hat denn auch nur so viel die Kirchengeschichte euch noch nicht gelehrt, daß es immer nur ärgeren Streit hervorgerufen hat, so oft man es unternahm, disparate Elemente ohne Versöhnung durch eine bloße Formel zusammenzubinden? Ihr werdet es nicht ausrichten! So lange die Union gewesen, ist, wie zur Ironie auf den Namen, bittre Uneinigkeit gewesen in der preußischen Landeskirche, und sie wird bleiben und wachsen, bis man sich dieser Union, die nicht von Gott ist, entledigt. Wie das geschehen soll —: das zu zeigen kann nicht die Aufgabe dieser Zeilen sein. Es ist immer schwer, einmal begangne Fehler gut zu machen. Nur daß es darum nicht darf unterlassen werden. Wir sehen freilich keinen andren Weg, als den, welchen man mit so großem Erschrecken durch die Cabinetsordre vom 6. März 1852 angedeutet glaubte. Wenn wirklich ein Ernst dazu gemacht würde, die Confessionen zu erhalten, den beiden Kirchen, der lutherischen und der reformirten, das einer jeden vor 1817 zugehörende Terrain wiederzugeben: es würde vielleicht möglich sein, sogar das einheitliche Kirchenregiment noch zu erhalten, wiewohl auch wir ja lebhaft davon durchdrungen sind, daß zum kirchlichen Wohlsein auch ein eigenes Regiment gehört. Die, welche dann doch unirt sein wollten, wirklich nicht mehr in der Schrift finden könnten, als den Consensus der beiden Bekenntnisse, sollten gewiß volle Freiheit haben, eine dritte, die unirte, oder besser die consensuelle Confession zu bilden, man könnte vielleicht auch sogar jedermann fragen, ob er, jede Gemeinde mit ihrem Pfar-