# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1846 07 11_S92 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) benen Tage hatten sich nicht nur viele Glaubensgenossen aus St. Louis zu der Feier theilnehmend eingefunden, sondern es hatten auch die Kirchenmusiker und die Choristen der luth. Gemeinde in St. Louis freundlich einer Einladung gefolgt, durch ihre Mitwirkung dieses Fest zu erhöhen. Die Gemeindeglieder, so wie die Gäste, versammelten sich Vormittags 10 Uhr auf derjenigen Farm, wo bis zuletzt der Gottesdienst gehalten worden war, um von da aus mit Gesang und Posaunenton in das nahe Kirchlein zu ziehen. Der Zug war auf folgende Weise geordnet. Voran gingen der Bauvorsteher und der Baumeister, welche die Kirche zu öffnen hatten; ihnen folgten die Kinder der Gemeinde Paarweise, die Kirchenmusiker und der Singchor, der unterzeichnete Pastor der Gemeinde mit einer Bibel, die Vorsteher, von denen der eine die zinnernen Abendmahlsgefäße und der andere das Taufbecken trug, nach diesen eine große Anzahl von Männern und Frauen. Nach einer kurzen Anrede setzte sich der Zug in Bewegung und stimmte unter Begleitung der Blasinstrumente das bekannte Lied an: „Sei Lob und Ehr dem höchsten Gut" ꝛc. Beim vierten Verse nahten wir uns dem Kirchlein, wo noch andere warteten. Dasselbe ist ein feingearbeitetes Blockhaus von 28 Fuß Länge und 24 Fuß Höhe, mit einem Thurm und mit 4 hohen Fenstern. Das Innere schmücket die Kanzel und der Altar. Vor dem Altar ist eine Stufe Erhöhung. Die Kanzel steht über dem Altar, ist geschmackvoll gearbeitet und bildet mit dem Altar ein Ganzes. Die Kanzeltreppe ist nicht zu sehen, indem auf beiden Seiten der Kanzel ein symmeterischer Anbau gemacht worden ist, welcher zugleich als Sacristei dient. Der Kanzel gegenüber ist eine Emporkirche. Das Kirchlein faßt an 150 Menschen, hat also genug Platz für 18 Familien, welche gegenwärtig die Gemeinde ausmachen. Am Einweihungstage war Vor- und Nachmittags, Gottesdienst. Des Vormittags begann der Gottesdienst mit dem Liede: „Allein Gott in der Höh sei Ehr" ꝛc. Darauf wurde am Altar von dem Prediger ein Gebet gesprochen und der 84. Psalm verlesen. Vor dem Glauben sang der Chor mit Musikbegleitung eine Cantate. Die Predigt über 4 Mosis 28, 10—17. hatte zum Gegenstand: „Unser Kirchlein ein Haus Gottes und eine Pforte des Himmels." Nach der Predigt wurde allgemeine Beichte gehalten und vorher nach Jes. 57, 15. die Frage beantwortet: „In welchem Herzen wohnt Gott in Gnaden?" An der Communion nahmen mehre christliche Brüder mit sichtbarer Rührung Theil, die erst ein paar Tage vorher aus Deutschland angekommen waren. Mit dem Segen des HErrn wurde um 1 Uhr die Gemeinde entlassen. Nachmittags um 3 Uhr versammelten sich wieder alle in dem Kirchlein, um das Wort Gottes zu hören. Der Herr Pastor Walther, welcher, nachdem er des Vormittags in St. Louis gepredigt hatte, noch zu unserer Kircheinweihung gekommen war, hielt die Predigt über den 100. Psalm und stellte die Pflicht aller Menschen dar, Gott auch äußerlich und öffentlich zu dienen. Vor der Predigt war das Lied: „Ach bleib bei uns, HErr JEsu Christ" ꝛc. gesungen und das Kirchweihevangelium Luc. 19, 1—10. verlesen worden; nach der Predigt wurde eine Taufhandlung nach einer rein lutherischen Agende vollzogen und endlich mit dem Lied: Nun danket alle Gott ꝛc. die feierlichen und gesegneten Gottesdienste geschlossen, die hoffentlich vielen, namentlich den Gemeindegliedern lange eine liebliche Erinnerung gewähren werden. Das unsichtbare Oberhaupt der Kirche, unser HErr JEsus Christus, sei für allen Segen gelobt, mit dem er diesen Tag krönte. Er wolle auch ferner über dieser Gemeinde und ihrem Prediger mit seiner Gnade walten, sie in der Wahrheit befestigen und erhalten und das reine Bekenntniß seines Wortes auch mit einem reinen Wandel zieren helfen. Darum Ihn mit uns ernstlich zu bitten, ersuchen wir hiermit alle unsere bekannten und unbekannten Glaubensgenossen. Friedrich Bünger. Durch den Glauben allein wird der Sünder gerecht und selig. Zeugnisse dafür, daß diese Wahrheit auch in der dicksten päbstlichen Finsterniß hie und da erkannt und bewahrt worden ist. 1. In einem alten Berichte von Gründung des Klosters zu Lucca unter dem Abt Arnoldus II. vom Jahr 1478 liest man Folgendes: „In diesem Kloster befand sich ein Mönch mit Namen Engelbert Arnoldi, welcher täglich in seiner Zelle also betete: „O ich Elender, was habe ich gethan? oder was soll ich thun? da ich ein Mensch und großer Sünder bin und an dir allein gesündigt habe. Doch ich glaube, daß du mein HErr, o JEsu Christe, allein meine Gerechtigkeit und Erlösung bist; und wie Abraham Gott geglaubt hat und allein dieser Glaube ihm zur Gerechtigkeit gerechnet worden ist, so glaube auch ich, daß allein der Glaube an Christum, nicht die Werke des Gesetzes oder Fleisches nach meines Ordens oder meiner Heiligkeit, zu meiner Seligkeit genug ist. Guter HErr, erbarme dich mein, nach deiner großen Barmherzigkeit. — O gütiger JEsu, sei mir gnädig, ich befehle meinen Geist in deine Hände; du hast mich erlöset, HErr, du getreuer Gott und mein einiger Erlöser, der du lebest und regierst in alle Ewigkeit." — In jenem Berichte wird nun erzählt, daß dieser heilsbegierige Mönch um dieses seines Glaubens willen auf's eifrigste verfolgt worden sei, und daß man ihm, da er endlich in Hamburg als Arzt starb, kaum noch ein ehrliches Begräbniß zugestehen wollte.*) *) Siehe: G. G. Leibnizii Scriptor. hist. Brunsoens. illustrant. T. III. p. 696. 2. Anselm, der 1109 als Bischof zu Canterbury starb, verfertigte eine Anweisung für Prediger, wie ein Sterbender zu befragen und was von diesem andächtig zu sagen sei. Dieser Unterricht lautete wie folgt: Ich frage dich, Bruder, freust du dich, daß du im Glauben an Christum sterben wirst? Ja. Erkennst du, daß du nicht so wohl gelebt hast, als du gesollt hättest? Ja. Ist es dein Sinn, ein neues Leben zu führen, wenn du Zeit hättest, länger zu leben? Ja. Freuest du dich, daß du in Fassung der wahren Religion sterben wirst? Ja. Glaubst du, daß JEsus Christus, der Sohn Gottes, für dich gestorben sei? Ja. Glaubst du, daß du nicht anders selig werden kannst, als durch den Tod JEsu Christi? Ja. Dankst du ihm auch dafür? Ja. Nun wohlan denn, so lange noch die Seele in dir ist, so stelle auf diesen Tod dein ganzes Vertrauen; setze deine Zuversicht auf nichts anderes; diesem Tod überlaß dich ganz und gar; und senke dich in denselben hinein, mit diesem Tode bedecke dich ganz, und in diesen Tod wickle dich ein. Und wenn Gott dich in's Gericht fordern wollte, so sprich: HErr, den Tod unseres HErrn JEsu Christi stelle ich zwischen mich und dein Gericht; anders, als so rechte ich nicht mit dir. Sollte der HErr zu dir sagen: Du bist ein Sünder, so sprich: Ich stelle den Tod JEsu Christi zwischen mich und meine Sünden. Sagt er zu dir: Du hast die Verdammniß verdient, so sprich: HErr, ich lege den Tod JEsu Christi zwischen dich und mein böses Verdienst und dessen Tod bringe ich dir anstatt des Verdienstes, welches ich hätte haben sollen, das mir aber fehlet. Darauf sage dreimal: HErr, in deine Hände befehle ich meinen Geist ꝛc.— Der stirbt sicher, von welchem dies vor dem Tode (von Herzen) gesagt wird, und wird den Tod nicht sehen ewiglich. Ist also die evangelische Lehre von der Gerechtigkeit und Seligkeit allein durch den Glauben eine neue, die Luther erst aufgebracht und vor ihm niemand gehabt hat? Bezahlt: 2. Jahrgang. P. Schulz. „ „ P. Gruber. „ „ P. Meißner. Die Hauspostille Luthers, erste amerikanische, ausgezeichnet ausgestattete Auflage, ist gebunden für $2.00, geheftet für $1.50 zu haben: Bei Herrn Ludwig und W. Radde in New-York, „ „ C. L. Rademacher in Philadelphia, Pa. „ Ehrw. Pastor Wynecken in Baltimore, Md. „ „ C. Spielmann, Columbus, O. Herrn Past. Walther in St. Louis, Mo. „ „ Dr. Sihler in Fort Wayne, Ind. „ „ P. Boyer in Buffalo, N. Y. „ „ P. J. George u. Co. in Detroit, Mich. „ „ P. J. George u. Co. in Milwaukee, Wisc. Die Kirchenzeitung in Pittsburg und Lutheran Standard in Columbus, O., werden gebeten, Obiges aufzunehmen. Gedruckt bei Weber und Olshausen.