# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_August 1855_S234 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 234 (Eingesandt von Prof. Dr. Sihler.) 10 Thesen über die Lehre von der ewigen Vorherbestimmung und der gnädigen Erwählung zum ewigen Leben. Thes. 1. Die Gnadenwahl ist eine Handlung Gottes, darin er vor Grundlegung der Welt, also von Ewigkeit, nach dem Vorsatz seines Willens beschlossen hat, um Christi willen und zu Lobe seiner herrlichen Gnade alle die ewig selig zu machen, deren beharrlichen Glauben an Christum er zuvor gesehen hat. Eph. 1, 4 — 6; 2 Tim. 1, 9. Thes. 2. Diese gnädige Erwählung oder ewige Vorherbestimmung (Praedestination) unterscheidet sich von dem Vorhersehen oder Vorherwissen Gottes (Praescienz) dergestalt, daß letzteres sich auch auf die Gottlosen und deren, bei beharrlichem Unglauben, endlich erfolgende Verwerfung erstreckt, ohne jedoch eine Ursache des Bösen zu sein; die gnädige Erwählung aber allein über die Kinder Gottes geht und eine Ursache ihrer Seligkeit ist. Thes. 3. Dieser gnädige Rathschluß Gottes zur ewigen Seligkeit ist kein absoluter und aus einem geheimen und verborgenen Abgrunde des göttlichen Willens hervorgegangen, sondern begreift zugleich alle Ursachen, Mittel und Wege zur ewigen Seligkeit in sich, und ist in eine bestimmte Ordnung gefaßt, außerhalb welcher er an und in den Menschen nicht verwirklicht werden soll und kann. Thes. 4. Die eben gedachten Ursachen, Mittel und Wege, die in ihrer Verbindung die göttliche Ordnung zum Heil und zur ewigen Seligkeit bilden, sind nun folgende: A. Die freie und unverdienbare Gnade und unendliche Barmherzigkeit Gottes, die sich auf alle Menschen erstreckt und deren ewige Seligkeit ernstlich und herzlich begehrt. Dieses ist die oberste, innerliche, antreibende und bewirkende Ursache. Jes. 33, 11; Joh. 3, 16; Röm. 11, 32; 1 Tim. 2, 4; 2 Pet. 3, 9. B. Die Sendung des Sohnes vom Vater in das Fleisch, um durch seinen thätigen Gehorsam in der Erfüllung des Gesetzes und durch seinen leidenden Gehorsam in dem Büßen und Sühnen unsers Ungehorsams eine stellvertretende Genugthuung zu leisten und die Versöhnung zu werden für der ganzen Welt Sünde. Demgemäß ist unser HErr Christus die äußerliche verdienende Ursache unserer Seligkeit. Jes. 53, 6; Joh. 1, 29; 1 Joh. 2, 2; Röm. 5, 18. 19; 1 Tim. 2, 6; 1 Tim. 4, 10. C. Die Verkündigung des Evangeliums und die Darreichung der Sacramente, durch welche sonderlich der heil. Geist Christum und sein unendliches allerheiligstes Verdienst allen Menschen vortragen und darbieten läßt. Auf diese Weise ist der heil. Geist die zueignende Ursache unserer Seligkeit. Matth. 11, 28; Matth. 28, 19; Marc. 16, 15; Apost. Gesch. 17, 30; 1 Tim. 2, 4. D. Der wahre, lebendige, durch das Evangelium gewirkte Glaube, d. i. die