# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juli 1855_S220 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 220 Excerpte als Beiträge zur pastoralen Casuistik. rer mit calvinischen Zuhörern in gleichen Ceremonien solle communiciren? Antwort: Die calvinischen Zuhörer sind entweder dociles und lassen sich in den Hauptpunkten christlicher Lehre besser informiren, da denn (wenn sie sich nehmlich von dem Reformirten Irrthum und von der lutherischen Wahrheit haben überzeugen lassen) ein lutherischer Pfarrer mit ihnen ohne Verletzung seines Gewissens wohl communiciren kann; oder sind pertinaces und bleiben halsstarriger Weise in ihren vorgefaßten calvinischen Meinungen, in welchem Fall niemand, viel weniger der Pfarrer selbst mit den Calvinisten zugleich, und in gleichen Ceremonien communiciren soll; denn so man mit einem Bruder, der unwürdig wandelt, auch gemeines Brot nicht essen soll, nach Pauli Ermahnung 1 Cor. 5, 11., viel weniger wird sichs gebühren, mit einem, der falsch glaubet und in der Lehre schwerlich irret, das heilige gesegnete Brot, das Brot, dadurch wir alle sollen ein Leib werden, zu essen und zu empfangen. Darnach so muß man auch acht haben auf den vorigen Unterschied der KirchenGebräuche. Das Brotbrechen ist eine solche Ceremonie, welche von den Calvinisten für ein nothwendig Stück des heil. Abendmahls gehalten wird, darum soll man sich hierin nicht conformiren, damit man ihres Irrthums sich nicht theilhaftig mache, oder sie darin stärke; in den übrigen Ritibus aber, daran wenig gelegen und die sie selber für freie Mitteldinge halten, kann man sich leichter accommodiren. Die dritte Frage ist diese, ob ein lutherischer Prediger neben den andern Calvinischen in gleichen Ceremonien zugleich das heil. Abendmahl austheilen könne? Darauf wir Nein sagen, sintemal dies eine offenbare Vermengung wäre, dadurch die Zuhörer gestärket würden in diesem falschen Wahn, als wenn Calvinisten und Lutheraner in den Grund=Artikeln eins wären, und nicht über die Gegenwart selbst, sondern nur über die Art und Weise der Gegenwart controvertiret würde. Zu dem möchte man die falsche Lehre und die Nothwendigkeit des Brotbrechens hiemit approbiren und sich fremder Irrthümer theilhaftig machen, welches mit nichten zu verantworten. So ist demnach unsers Erachtens am besten, daß an einem solchen Orte, da ungleiche Lehrer sind, ein Lutheraner und ein Calvinischer, auch unterschiedene Communiones angestellet werden, und die Lutheraner zur Calvinischen Communion und Ceremonien nicht genöthigt würden; der lutherische Pfarrer soll auch die calvinischen Zuhörer mit allem Fleiß unterrichten, damit sie ihre Irrthümer fallen lassen und also mit der Zeit Ein Hirte und Eine Heerde angerichtet werden möchte. Solches haben wir dem Herren zur freundlichen Antwort nicht verhalten wollen, hiermit der Gnaden Gottes uns allerseits ganz treulich empfehlende. Datum Wittenberg, den 18. Sept. 1626.“ (Siehe: Consil. theol. Witeberg. II, s. 127. 128.)