# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juli 1855_S210 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 210 Lutherisch=theologische Pfarrers=Bibliothek. übergestellter lateinischer Uebersetzung. Hat der Text eines Evangelisten einen parallelen in einem oder mehreren andern Evangelisten, so finden sich diese verschiedenen parallelen Texte hinter einander zuerst einzeln und sodann, wiederum sowohl griechisch als lateinisch, zu Einem Texte zusammengeschmolzen abgedruckt. Darnach kommt erst die eigentliche Auslegung, in welcher zwar die einzelnen vorkommenden sprachlichen, historischen, archäologischen ꝛc. Schwierigkeiten aufgelöst werden, aber in einem wohlgeordneten zusammenhängenden lebendigen Erguß über den ganzen Abschnitt, so, daß sich die einzelnen Verse vor den Augen des Lesers wie Knospen zu weit geöffneten duftenden Blumen entfalten und endlich das ganze vorliegende Capitel oder der aus einem derselben vorgenommene Abschnitt wie ein schön zugerichtetes Blumenbeet sich ausbreitet. Das Werk gibt eben nicht eine zerstückelte Erklärung, sondern eine Ausbreitung und Auslegung des ganzen vorhandenen Textes, wie ein Kaufmann die köstlichen Waaren, die in den Fächern seines Verkaufszimmers zusammengerollt liegen, vor dem begierigen Auge des Käufers auslegt und ausbreitet. Die Auslegung ist hier eigentlich nichts anders als ein nur aus der Wolle des Textes gewobenes liebliches buntes Kleid, hie und da mit allerlei gelehrten philologischen und historischen Notizen ohne eiteln Prunk gesäumt. Es findet sich hier eine Exegese, wie sie in unserer Zeit vergeblich gesucht wird, die nur Männer wie ein Chemnitz, Leyser und Gerhard durch Gottes Gnade liefern konnten, Männer, die bei eminenter Gelehrsamkeit eine ebenso große Kindeseinfalt, bei tiefer Erkenntniß im Verstande eine ebenso reiche Erfahrung im Herzen, bei hellster Einsicht in den Zusammenhang des ganzen Offenbarungs=Lehrgehaltes einen ebenso festen unerschütterlichen Glauben hatten. Welchem unter den drei Arbeitern an diesem Auslegungswerke man den Vorzug vor den andern geben solle, kann man nicht sagen. Jeder hat sein Eigenthümliches, seine Vorzüge vor den andern, aber keiner, was ihn unter die andern stellte. Gerhard schreibt zwar (s. Vorrede zu seiner Harmonie) in seiner großen Demuth: „So bald ich das Werk in Angriff nahm, fand ich, daß ich dieser Arbeit nicht gewachsen sei und in keinem Theile der von mir gehegten Meinung so großer Männer entsprechen könne, daher wenig fehlte, daß ich nicht die an den Pflug schon gelegte Hand zurückzog. Aber weil ich mich erinnerte, daß von mir nicht gefordert worden sei, eine dem Fleiße Chemnitz'ens und Leyser's gleiche (denn das gehörte, was mich betrifft, zu den Unmöglichkeiten), sondern nur irgend eine Fortsetzung zu liefern, wie ich sie eben zu geben vermöchte, und weil ich dafür hielt, daß ich lieber die Beschuldigung der Unzulänglichkeit, als des Ungehorsams, auf mich nehmen müsse: daher wollte ich lieber Etwas, als Nichts thun und auf diese Weise andere ermuntern, auf eine concinnere und mit den erstern mehr übereinkommende Fortsetzung zu lenken. Daniels Coloß hatte oben ein goldenes Haupt, ging aber in eiserne und thönerne Füße aus, Dan. 2, 32. 33.; an die Stelle der goldenen Schilde, welche Salomo hatte verfertigen lassen, wurden einst eherne gesetzt, 2 Chron. 12, 10. Wenn jemand sagen sollte, daß dies in dieser