# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juli 1855_S209 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Lutherisch=theologische Pfarrers=Bibliothek. 209 Jedoch bei Gelegenheit einer theologischen Doktor=Promotions=Feierlichkeit im Jahre 1621 zehen Doktoren der Theologie in Jena versammelt waren und unter anderen wichtigen Angelegenheiten auch die Nothwendigkeit der Vollendung des von Chemnitz und Leyser begonnenen Werkes besprachen, mit Einer Stimme aber endlich Johann Gerhard als den Mann bezeichneten, der allein dieser großen Aufgabe gewachsen sei, und ihm feierlichst im Namen der Kirche den Auftrag dazu ertheilten, da wagte Gerhard nicht länger, dem Wunsche und Rufe so vieler und so einsichtsvoller Männer entgegen zu sein, sondern versprach, wenn er seine Loci theologici und seine Schola pietatis werde vollendet haben, Hand ans Werk zu legen. Und Gerhard that, wie er versprochen hatte, begann die Arbeit im Jahre 1624, wovon im Jahre 1626 der erste und 1627 die beiden letzten Theile erschienen. Es war Gerhard um so eher möglich, die ihm gestellte Aufgabe in so kurzer Zeit zu lösen, da er bereits im Jahre 1617 die Harmonie der evangelischen Berichte von Christi Leiden, Tod, Auferstehung und Himmelfahrt nach Chemnitz'ens Methode ausgelegt und herausgegeben hatte; daher er, um das Werk zur Vollendung zu bringen, nur folgende Abschnitte noch auszulegen hatte: Matth. 21, 1. — 26, 29. Marc. 11, 1. — 14, 25. Luc. 19, 29. — 22, 38. Joh. 11, 46. — 17, 26. In der Herausgabe der ganzen Harmonie kamen englische und französische Reformirte den Lutheranern zuvor, indem jene nun sogleich die erste Ausgabe des Gesammtwerkes veranstalteten, die bereits im Jahre 1628 in Genf in Folio erschien. Dieser folgte eine zweite und dritte ebendaselbst und zu Rotterdam im Jahre 1645. Die vorzüglichste aber unter allen kam zu Hamburg 1652 unter der Redaction Johann Ernst Gerhard's, des Sohnes, heraus, woselbst auch 1704 die zweite Auflage derselbigen Edition erschienen ist. Eine deutsche Uebersetzung des Werkes haben wir zwar selbst nicht gesehen, wir finden jedoch in „Palm's Handbibliothek der theologischen Literatur,“ die nur Büchertitel mit Angabe der ursprünglichen Preise enthält, folgenden Titel: „Harmonie der vier Evangelisten von Chemnitz, Leyser und Gerhard, übersetzt von Otto Nath. Nicolai. 2 Theile in 4. Magdeburg 1764 und 1768 bei Scheidhauer. Preis 7 Thaler 16 Groschen.“ Nach der Anzahl der Theile zu urtheilen, dürfte die Uebersetzung nicht das ganze Werk umfassen, während der Preis schließen läßt, daß das Buch einen ansehnlichen Umfang haben muß. — Was Form und Inhalt des lateinischen Gesammtwerkes betrifft, so theilen wir hierüber noch Folgendes mit. Vorangestellt hat Chemnitz dem Ganzen Prolegomena, in welchen er erstlich von dem Begriff einer Harmonie der Evangelien und von ihrem Zweck und Nutzen handelt, sodann die bisherigen Leistungen auf diesem Gebiete beurtheilt und endlich die Grundsätze entwickelt, nach denen er selbst verfahren werde. Der ganze Text der Evangelien ist in Capitel eingetheilt, in deren jedem ein Abschnitt in folgender Weise abgehandelt wird. Voran steht stets die „ratio ordinis“ d. i. die Begründung der befolgten Ordnung; darauf folgt der griechische Text mit gegen- 14