# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juli 1855_S208 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 208 Lutherisch=theologische Pfarrers=Bibliothek. nicht gelinge, dazu wollten wir an unserm ganz geringen Theile gern etwas beitragen. Flacius ist übrigens in der Stadt Albona in Istrien, einem Theil Illyriens (daher er auch oft nur Illyricus genannt wird), 1520 geboren und 1575 zu Frankfurt a. M. mit dem Seufzer: Jesu Christe, fili Dei, miserere mei! gestorben. c. Ein lutherischer Pfarrer hat, wie bereits bemerkt, ohne Zweifel außer den Hülfsmitteln zum Verständniß des Neuen Testaments überhaupt ein solches zu einem tieferem Studium der heiligen Evangelien noch insonderheit nöthig. Hierzu giebt es aber nächst den in den Werken Luthers befindlichen Commentaren nach unserm Urtheil kein besseres, als folgendes berühmtes Werk: „Harmoniae Evangelicae, a praestantissimo theologo D. Martino Chemnitio primum inchoatae et per D. Polycarpum Lyserum continuatae libri quinque.“ Wozu noch gehört: „Harmoniae Evangelistarum Chemnitio-Lyserianae continuatio, a. J. Gerhardo justo commentario illustrata.“ Es ist dieses Werk eine Auslegung der vier Evangelien nach einer harmonischen Zusammenstellung des Textes derselben. Martin Chemnitz, der Haupt=Mitverfasser der Concordienformel, geboren zu Treuenbriezen 1522, gestorben als Superintendent zu Braunschweig 1586, begann dieses Werk und setzte dasselbe bis zum 51. Capitel fort (nehmlich bis Matth. 7, 29. Marc. 3, 30. Luc. 6, 49. Joh. 5, 47., einige Stellen ungerechnet, welche aus folgenden Capiteln um der Harmonie willen von Chemnitz hier auch schon aufgenommen und ausgelegt sind). Der Tod rief jedoch diesen unvergleichlichen Theologen mitten aus der gesegneten Arbeit zur ewigen Ruhe. Polycarpus Leyser, sein Nachfolger im Amt, gestorben 1610, zog das Manuscript Chemnitz’ens ans Licht und veröffentlichte das obwohl unvollendete, aber so werthvolle Werk zuerst im Jahre 1593 durch den Druck, wobei er die Leser aufforderte, Gott um einen tüchtigen Fortsetzer brünstig anzurufen. Als sich bis 1599 keiner gefunden hatte, und Leyser die Arbeit Chemnitz’ens zum zweiten Male herausgab, versprach er, den Bitten seiner Freunde nachzugeben und sich selbst an die weitere Ausarbeitung der begonnenen harmonischen Auslegung zu wagen, indem er die Leser nun um ihre ernstliche Fürbitte für ihn selbst dringend ansprach. Doch auch dem gelehrten, geistreichen und gottseligen Leyser war es nicht beschieden, das große Werk zu Ende zu bringen. Seine Arbeit reicht bis Matth. 20, 34. Marc. 10, 52. Luc. 19, 28. Joh. 11, 45. Nachdem Leyser selbst 1603 und 1608 die beiden ersten Stücke seiner Arbeit veröffentlicht hatte, that dies in Betreff des letzten 1611 nach seinem Tode sein Sohn gleiches Namens, damals Professor und Superintendent zu Leipzig. Das Werk blieb nun noch längere Zeit zum tiefen Bedauern der ganzen damaligen theologischen Welt ein Fragment. Kein Theolog wollte sich finden, der sich bereit erklärt hätte, an das Werk solcher Vorgänger, wie eines Chemnitz und eines Leyser, die vollendende Hand zu legen. Alle dringenden Privataufforderungen, deren Johann Gerhard nicht wenige hierzu erhielt, konnten den ebenso großen, als demüthigen Gottesgelehrten hierzu nicht bewegen. Als