# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1846 07 11_S89 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Der Lutheraner. „Gottes Wort und Luthers Lehr' vergehet nun und nimmermehr.“ Herausgegeben von C. F. W. Walther. Jahrgang 2. St. Louis, Mo., den 11. Juli 1846. No. 23. Bedingungen: Der Lutheraner erscheint alle zwei Wochen einmal für den Subscriptionspreis von Einem Dollar für die auswärtigen Unterschreiber, welche davon die Hälfte vorauszubezahlen und das Postgeld zu tragen haben. — In St. Louis wird jede einzelne Nummer für 5 Cents verkauft. (Eingesandt von Pastor Schieferdecker.) Das Apostolische Glaubensbekenntniß und seine verschiedene Auslegung. Dieses berühmte Bekenntniß, das älteste, das wir haben — denn ob es wohl nicht von den Aposteln selbst verfaßt ist, so reicht doch sein Alter fast bis zu der Zeit der Apostel herab — enthält zwar nicht alle, aber doch die vorzüglichsten Artikel der christlichen Lehre, und wer dieselben mit der heiligen Schrift zusammenhält, muß sich von der vollkommensten Schriftmäßigkeit dieses Bekenntnisses überzeugen. Und wenn man nach der allgemeinen Annahme urtheilen sollte, welche dieses Bekenntniß selbst bei den falschgläubigen Kirchen und Secten gefunden hat, so könnte man leicht auf die Gedanken kommen, als wäre im Wesentlichen kein Unterschied der Lehre und des Glaubens bei allen den verschiedenen Kirchen und Secten. Allein dies wäre ein voreiliger Schluß; denn es kommt nicht auf die bloßen Worte an, die auch zum Schein geführt werden können, sondern auf den Sinn kömmt es hauptsächlich an, in welchem die Worte verstanden werden. Die Katholiken, Reformirten und andere nehmen zwar auch die Worte dieses Bekenntnisses an, aber in einem andern Sinn, als die Lutheraner. Und zwar sind die Worte nicht Schuld, als ließen dieselben eine solche Doppelsinnigkeit zu, sondern der böse Wille ist Schuld, der die Worte mit Gewalt auf den Irrthum zieht, um denselben dadurch vor den Augen der Einfältigen zu verbergen, gleichwie es die Sectirer mit den klaren und hellen Worten der heil. Schrift selbst machen. Daß der Sinn der Katholiken und Reformirten, in welchem sie das apostolische Glaubensbekenntniß nehmen, von dem Sinn der wahren Kirche total verschieden ist, kann die nachfolgende Zusammenstellung erweisen. Es ist dieselbe nach einem Original des gelehrten Joh. Conr. Dannhauer, Prof. der Theologie zu Straßburg, gest. 1666, etwas kürzer bearbeitet. I. Das apostolische Glaubensbekenntniß im Sinne der rechtgläubigen Kirche. Ich glaube, — aus lebendiger, kräftiger Ueberzeugung, die Gott in mir gewirkt hat durch sein wahrhaftiges Wort, welches in den canonischen (d. h. die von der wahren Kirche zu allen Zeiten für göttlich erkannt worden sind) Schriften des A. und N. Testaments enthalten und meines Glaubens alleinige Regel und Richtschnur ist, an Gott — an ihn allein und sonst an keine Creatur, weder Engel noch verstorbene Heilige; an einen dreieinigen Gott, in dessen einigem göttlichen Wesen drei Personen sind. Ich glaube an Gott den Vater, welcher von Niemand weder geschaffen noch geboren ist und als Vater zwar gegen alle Menschen sich durch unzählige Wohlthaten erweist, aber nur die zu seinen Kindern und Erben erwählt hat, welche im Glauben an Christum bis ans Ende beharren; allmächtigen Schöpfer Himmels und der Erde, der mich und Alles, was da ist, aus dem Nichts hervorgerufen hat, aber keineswegs ein Urheber des Bösen ist. Ich — von Natur ein Kind des Zorns, von Gott abgewendet und sein Feind, im Gefängniß der Sünde und des Satans, unvermögend mich selbst zu retten und selig zu machen — glaube an JEsum Christum, wahrhaftigen Gott, aus dem Wesen des Vaters von Ewigkeit geboren, der unsere Natur, Leib und Seele an sich genommen und wahrhaftiger Mensch geworden ist. Durch welchen das gefallene Menschengeschlecht wieder aufgerichtet und einem jeden einzelnen die Seligkeit wieder erworben worden, indem er sich für Alle zum Opfer gegeben und für die Sünden der ganzen Welt der beleidigten Gerechtigkeit eine vollgültige Genugthuung geleistet hat. Nicht allein die Erbsünde, sondern auch alle wirklichen Sünden sind durch ihn getilgt und versöhnt. Er hat das Gesetz für uns erfüllt und die Menschen vom Fluch desselben befreit. Ich glaube an JEsum Christum, in dessen einiger Person 2 Naturen, die göttliche und menschliche, so innig mit einander vereinigt sind, daß sie, obgleich ohne alle Vermischung und Verschmelzung, dennoch nimmer von einander zu trennen sind. In dieser Gemeinschaft beider Naturen behält zwar jede ihr eigenthümliches Wesen, aber keine wirkt ohne die andere, so daß wenn der Mensch JEsus leidet und stirbt, dennoch kein bloßer Mensch leidet und stirbt, sondern der, welcher wahrhaftiger Gott ist. In dieser Gemeinschaft beider Naturen gebraucht sich die menschliche Natur der göttlichen Majestät, Allgegenwart, Allwissenheit und richterlichen Gewalt so völlig und unumschränkt, als wären diese göttlichen Eigenschaften ihr eigenes Besitzthum. Ich glaube an JEsum, den einigen Mittler zwischen Gott und Menschen, auf welchen alle die Gebete, Opfer und Verheißungen der Alten hinweisen, und unsern HErrn nach dem Recht der Erlösung; welcher übernatürlicher Weise „vom heiligen Geist empfangen und von der Jungfrau Maria, der Mutter Gottes, geboren, gelitten unter Pontio Pilato. Gekreuzigt,“ — die tiefste Erniedrigung Christi, bei welcher er sich der göttlichen Herrlichkeit freiwillig entäußerte, — gestorben. — nicht bloß scheinbar, sondern wahrhaftig und wirklich, ohne daß selbst im Tode die Gemeinschaft beider Naturen zerrissen oder unterbrochen ward, welcher Tod das Versöhnungsopfer für der ganzen Welt Sünde war — und begraben. Niedergefahren zu der Hölle, als Gott und Mensch, nachdem die Seele sich wieder mit dem Leib vereinigt hatte, um als Ueberwinder der Hölle seinen Triumph zu halten. „Am dritten Tag wieder auferstanden von den Todten,“ in eigner Kraft, mit einem verklärten, verherrlichten und geistlichen Leibe. Aufgefahren gen Himmel, — in den Himmel der Seligen, wo er nicht so in die Grenzen eines Raumes eingeschlossen ist, daß er nicht zu gleicher Zeit an verschiedenen Orten auf Erden gegenwärtig sein könnte. Sitzet zu der Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters — kein räumliches Sitzen, sondern die allerglorreichste Erhöhung der menschlichen Natur in Christo, dem Gottmenschen, der nun nicht bloß als Gott, sondern auch als Mensch allwissend, allmächtig, allgegenwärtig ist und die unendliche ewige Herrschaft und Gewalt hat über Alles, das im Himmel, auf Erden und unter der Erde ist. Und diese Gegenwart, womit Christus auch nach seiner Menschheit bei allen seinen Creaturen ist, ist keine räumliche Ausspannung, sondern eine wahrhaftige gnadenvolle Gegenwart, nach welcher er in uns wohnt, nach welcher auch sein Leib und Blut im heil. Abendmahl wahrhaftig und wesentlich gegenwärtig sind, und mit dem Brod und Wein ausgetheilt werden — Von dannen — aus dem Himmel der Seligen — er öffentlich und sichtbar kommen wird, in der Herrlichkeit des Vaters, zu richten die Lebendigen und die Todten. Ich, gänzlich unvermögend, aus eignen Kräften meiner Vernunft, welche den geoffenbarten Rath und Willen Gottes für Thorheit