# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juli 1855_S206 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 206 Lutherisch=theologische Pfarrers=Bibliothek. geistvollen und hochgelehrten Theologen zu gebrauchen und zu benutzen, einige Urtheile unserer rechtgläubigen Theologen über Flacius mitzutheilen, um so mehr, da wir in unserer „Pfarrer=Bibliothek“ wiederholt auf Werke dieses Autors hinzuweisen Veranlassung finden werden. Johannes Musäus, der die Clavis Scripturae Sacrae von Flacius castigirt wieder herausgegeben hat, schreibt u. A. in der Vorrede zu diesem Werke: „Der Autor fiel jedoch in den Irrthum von der Erbsünde nicht durch Unbesonnenheit und Leichtfertigkeit, nicht durch Hochmuth, noch von Neuerungssucht in Betreff der in der Kirche angenommenen Lehre geleitet, sondern bei Gelegenheit eines harten und schwierigen Streites über den freien Willen des unwiedergeborenen Menschen und über die Kräfte desselben bei seiner Bekehrung, welcher (Streit), wie er viele Jahrhunderte vorher die gelehrtesten Kirchenväter beschäftigt und große Unruhen in der Kirche erregt hatte, so damals zwischen Flacius, einem Manne von heftiger Gemüthsart und von brennendem Eifer für Erhaltung der reinen Religion, und Victorin Strigel, dem Coryphäen der Synergisten oder Semipelagianer jener Zeit, statt fand. Mit diesem ließ er sich in einen öffentlichen Zweikampf ein, wollte Gott, mit derselben Erfahrung in Künsten und Philosophie, als in der Schrift und Theologie! Sein Gegner war ein ebenso wohl für den Stand jener Zeit ausgezeichneter Philosoph, als ein in aller List und in allen Ränken, deren man sich in einer bösen Sache zu bedienen pflegt, wohl erfahrener Sophist, der, je weniger er mit gründlichen Schriftbeweisen gerüstet, desto mehr auf jede Gelegenheit bedacht war, zu betrügen.“ So schreibt ferner B. Meisner: „Zu sagen, daß Flacius im Grunde des Glaubens geirrt und die Kirche aus Bosheit beunruhigt habe, dies lassen seine Schriften nicht zu, noch räth es die christliche Liebe.“ (Tract. de eccles. p. 134.) So urtheilt ferner C. Val. Löscher: „Es leuchtet meines Erachtens aus jenem Gespräche klar, daß Flacius besser es gemeint, als seine Worte geklungen; darum bemühet er sich auch auf alle Weise, wenn ihm etwas hartes abermal entfährt, solches zu emolliren, und glaube ich, daß er der Meinung nicht gänzlich gewesen, die Einige nach ihm unter seiner Autorität vertheidiget haben und insgemein ihm mit zugerechnet wird. Man sieht’s aus dieser seiner Erklärung, die nicht ein Jahr vor seinem Tode vorhergegangen und zum Theil, wo er geirrt, wohl für eine Retractation passiren mag, daß es ihm in guter Meinung nur darum zu thun gewesen, daß man die Tiefe des Verfalls und die abscheuliche Schädlichkeit der Erbsünde recht erwägen möge. Dabei er denn wohl freilich die Worte etwas behutsamer hätte setzen können, aber auch allzuviel über sich hat ergehen lassen müssen. Seine allerletzte Schrift: Origo controversiae de peccato originis, gibt zu diesem Gedanken auch allerlei Anlaß. Wir tadeln damit nicht, was unsere Formula Concordiae und wackeren Lehrer wider die Meinung, quod peccatum originale sit substantia, geschrieben, sondern ich glaube nur, daß sie Spangenbergum, Irenäum, Wigandum, Cölestinum, Reßium, Scheflerum u. A. vornehmlich widerlegt, die sich mit Unrecht auf Flacium berufen. Colerus selber, der ihn