# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juli 1855_S205 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Lutherisch=theologische Pfarrers=Bibliothek. 205 die, so ins Predigtamt gesetzt, umgehen sollen, aus diesem Bibelwerk haben werden.“ b. Ein so bedeutendes Hülfsmittel, um zu rechtem Verständniß der ganzen heiligen Schrift das Weimarische Bibelwerk ist, so sollte doch ein jeder Prediger mindestens noch eine etwas weitläufigere Auslegung neutestamentlicher Schriften überhaupt und der vier Evangelien und der apostolischen Briefe, namentlich der Paulinischen, insonderheit besitzen. Unter allen Schriften aber, in welchen eine Auslegung des ganzen Neuen Testamentes gegeben wird, behält nach unserem Bedünken folgende den Preis: Glossa compendiaria M. Matthiae Flacii Illyrici Albonensis in Novum Testamentum. Basileae 1570. Fol. Dieses Werk (ca. 1500 Folioseiten stark) ist folgendermaßen eingerichtet. Zuerst gibt Flacius zu jeder Schrift des Neuen Testaments außer der Synopsis des Athanasius eine eigene Einleitung, worin er über Canonicität, Veranlassung, Inhalt, Disposition, Eigenthümlichkeit ꝛc. derselben spricht. Hierauf folgt auf einer Columne der griechische Text des zu erklärenden Capitels mit gegenüberstehender lateinischer Uebersetzung, und sodann die Glossa, d. h. eine Auslegung des Capitels von Vers zu Vers, in welcher insonderheit diejenigen Worte, Redensarten und Sätze, welche einige Schwierigkeiten haben, erklärt und Scopus und Zusammenhang nachgewiesen werden. Alles Andere bei Seite setzend, ist Flacius nur darauf bedacht, mit kurzen Worten den Sinn des heiligen Geistes, der in der Schrift redet, aufzuschließen und aus dem Einzelnen das Ganze und aus dem Ganzen das Einzelne klar zu machen. So wenig es uns in den Sinn kommen kann, dieses Werk für vollkommen auszugeben — denn wie wäre es möglich, daß Ein Mann den eigentlichen Sinn jedes Spruches auch nur des Neuen Testamentes auffinden und vollkommen wiedergeben sollte? —, so glauben wir doch behaupten zu können, daß die Art und Weise, in welcher Flacius in diesem Werke als Ausleger verfährt, insonderheit für diejenigen, welche nicht so viel Zeit haben, weitläufige Commentare zu studiren, und denen es zunächst nur um eine klare Einsicht in den Sinn und Zusammenhang der göttlichen Worte zu thun ist, die beste ist. — Der Name des theuren Flacius hat freilich einen übeln Klang, da derselbe in den schweren Irrthum, daß die Erbsünde des Menschen Substanz selbst sei, gerathen, und dadurch seiner Zeit große Unruhe in der Kirche erregt worden ist. So ernstlich jedoch unsere Theologen diesen Irrthum stets verdammt haben, so weit sind sie doch davon entfernt gewesen, den theuren Flacius selbst deswegen zu verdammen oder den hohen Werth der unsterblichen Werke dieses großen Mannes zu leugnen und die (allerdings in jenem Punkte nothwendiger Weise vorsichtige) Benutzung derselben abzurathen. Es ist hier der Ort nicht, die Geschichte des Flacianismus auseinanderzusetzen, was zur Entschuldigung des Urhebers dient, vorzustellen und die sonst so hohen Verdienste desselben um die Kirche nachzuweisen. Wir können jedoch nicht umhin, damit sich keiner unserer Leser durch den Makel, der an Flacius’ Namen haftet, abhalten lasse, die vortrefflichen Arbeiten dieses