# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juli 1855_S204 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 204 Lutherisch=theologische Pfarrers=Bibliothek. Der theure Gerhard starb zwar, wie er selbst geahnt hatte, noch vor Vollendung des Werkes, zu dessen Vollendung er, wie Dilherr schreibt, „oft vom ersten Strahl der Morgensonne Tag und Nacht hindurch bis zum nächsten Morgenlicht unbeweglich, mit einem wie aus seinem Körper in die Einsamkeit zurückgezogenen Geist nachdenkend und betend gearbeitet“ hatte; allein die Hauptarbeit war bereits von ihm gethan. Sein nächster Nachfolger im Amte, Dr. Salomon Glassius, dessen besonderes Werk noch außerdem die Auslegung des Psalters, der Salomonischen Schriften und des Evangeliums Johannis war, trat hernach auch als erster Revisor an Gerhard's Stelle und brachte endlich das Werk zum Abschluß. Auch für einen vorzüglichen Corrector sorgte der Herzog und er fand denselben in einem grundgelehrten Mann, mit Namen Knespel, dem außerdem noch der berühmte Prediger zu St. Sebald in Nürnberg, Johann Saubert, berathend zur Seite stand. Als die Bibel endlich im Jahre 1641 fertig die Presse verließ, wurde am Sonntag darauf für das gnädige Gelingen dieses schweren, großen, wichtigen, gesegneten Werkes von allen Kanzeln Nürnbergs öffentlich und feierlich unter dem Frohlocken der dortigen Gemeinden Gott inbrünstig gedankt. Was endlich den Inhalt des Werkes und die Art und Weise betrifft, in welcher dasselbe verabfaßt ist, so bemerken wir noch Folgendes. Außer dem Text der Bibel in Luthers Uebersetzung finden sich darin erstlich desselben Vorreden zu allen biblischen Büchern und kurze Randglossen; sodann eine kurze Auslegung jedes nur irgend der Erklärung bedürftigen Wortes und Satzes und zwar so, daß diese Auslegung unmittelbar hinter das betreffende Stück des Textes mit kleineren Lettern in Parenthese gesetzt ist, in der Form einer Glossa interlinearis. Jedes Buch und jedes Capitel hat nervose Summarien, bei deren Angabe zugleich die Abschnitte angezeigt sind, in welche die Bücher und deren einzelne Capitel zerfallen. Außerdem finden sich darin noch allerlei zum Verständniß der heiligen Schrift dienende, theils Sach=, theils Wort=Register. Die im Jahre 1736 auf Anordnung Herzog Friedrich III. von E. S. Cyprian besorgte neue Ausgabe ist die vorzüglichste unter allen. Sie ist verbessert und nicht unbedeutend vermehrt. Besonders wichtig sind, außer den hier hinzugesetzten neuen erklärenden Anmerkungen, die am Schlusse jedes Capitels gegebenen „Nutzanwendungen“ oder Winke, wie der Inhalt zu Lehre, Mahnung, Warnung und Trost anzuwenden sei; des noch schöneren Druckes, Papiers und der noch sauberen Kupfer dieser letzteren Ausgabe zu geschweigen. Wer die Quintessenz der rechtgläubigen Bibelauslegung aus den besten Zeiten der Kirche haben will, findet dieselbe in diesem Werke. Es ist dasselbe zwar zunächst nicht für Theologen, sondern für den Erbauung suchenden Bibelleser geschrieben, daher alle Polemik ausgeschlossen geblieben ist, doch schreibt Glassius in der Vorrede mit vollkommenem Rechte: „Ob man wohl vornehmlich auf den gemeinen Mann mit diesem Werk gesehen, so wirds doch verhoffentlich der Ausgang und die Zeit, geliebts Gott, geben, was für Nutzen auch die, so sonst der Schrift erfahren und mit derselben täglich umgehen, als sonderlich