# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juli 1855_S203 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Lutherische=theologische Pfarrers=Bibliothek. 203 wird: die Ernestinische Bibel, die Nürnberger Bibel (dann setzt man aber gewöhnlich, zur Unterscheidung dieses Werkes von anderen in Nürnberg aufgelegten Bibeln in Folio, hinzu: „mit den Churfürsten“), Biblia Gerana. Dieses unvergleichliche Werk verdankt unsere Kirche zunächst der ungeheuchelten Gottseligkeit und aufopfernden Liebe Herzog Ernst III. oder des Frommen (auch Bet=Ernst genannt) von Sachsen=Gotha (gestorben nach einer 35 jährigen Regierung im Jahre 1675). Das Werk wurde mitten in den Nothzeiten des dreißigjährigen Krieges begonnen und vollendet. Es kam das erste Mal in Nürnberg 1641 heraus, das letzte Mal ebendaselbst im Jahre 1780. Mit größerem, keine Mühe und keine Kosten scheuenden Ernste und Eifer, etwas zu liefern, was wahrhaft zur Ehre Gottes und zur Erbauung seiner Kirche diene, ist gewiß kein Werk über die heilige Schrift je unternommen und ausgeführt worden, als diese glossirte Bibel. Ernst Sal. Cyprian, welcher die in Betreff dieses Werkes zwischen dem Herzog und den betheiligten Theologen geführte Correspondenz, wie sie seiner Zeit im herzoglichen Archive zu Gotha sich noch vorfand, gelesen hat, schreibt: „Ist jemals in der evangelischen Kirche ein Buch mit inbrünstigem Gebet, unermüdetem Fleiß, saurer Arbeit und großer Klugheit verfertigt worden, so ist es gewiß dieses. Der Herzog war erstlich um rechtschaffene Erklärer, zum andern um vortreffliche Revisoren und drittens um einen tauglichen Druck gar sehr bekümmert.“ Mehr denn 30 Theologen haben daran gearbeitet (s. Löscher's Unschuld. Nachr. Jahrgang 1704. S. 398—404), von denen einem jeden gewisse biblische Bücher zur Bearbeitung übergeben waren. Nicht nur aber hatte die damalige theologische Fakultät zu Jena, welche aus den Doktoren der Theologie Johann Major, Johann Gerhard und Johann Himmel (einer „triga theologorum Johannitica“) bestand, und welcher noch Johann Michael Dilherr, damals Professor der Beredtsamkeit daselbst, beigeordnet war, gewisse Regeln aufgesetzt, nach welchen sich alle Mitarbeiter zu richten hatten; *) sondern es wurde auch keine Arbeit dem Werke einverleibt, als bis sie von der ganzen genannten, zu diesem Zwecke sich versammelnden, Fakultät revidirt und approbirt worden war. Bei dieser Revision wurde mit einer Genauigkeit verfahren, die vielleicht nur an der Sorgfalt ein Seitenstück hat, mit welcher Luther bei seiner deutschen Bibelübersetzung unter Zuziehung Melanchthon's, Bugenhagen's, Jonas', Amsdorf's und Aurogallus' verfuhr. Das Meiste that dabei Johann Gerhard. Er, dieser adamantinus Germanicus, wie ihn Calov nennt, hat nicht nur selbst bedeutende Stücke allein ausgearbeitet (u. a. die Paraphrasirung der Genesis, des Daniel und der Offenbarung St. Johannis), sondern auch alles, bis auf die Proverbia und das Ev. Johannis, mit unsäglichem Fleiß mehrmals durchgelesen und durchcorrigirt und bei der gemeinschaftlichen Revision das Präsidium geführt. *) Die erste dieser Regeln, welche Buddeus in seiner Isagoge mittheilte, war: „Ein jeder hat wohl darauf zu sehen, daß die Auslegung aller Stellen mit der Analogie des Glaubens und mit den Bekenntnissen unserer Kirche überein komme.“ (p. 1559.)