# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juli 1855_S197 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Die Erlanger „Zeitschrift für Protestantismus u. Kirche.“ 197 sie daher erstlich nach der Schrift zu prüfen und, wo sie davon abgehen, zu verwerfen und zu verdammen, oder auch, wo sie erweislich unklar und mehrdeutig in ihren Ausdrücken sind, nach der heil. Schrift, erklärtermaßen ihrer einzigen Norm und Regel zu erklären und zu deuten seien.*) Unsere Synode ist weit davon entfernt, mit Theologen einer gewissen Richtung insonderheit aus dem vorigen Jahrhundert den Symbolen irgend eine Art von Theopneustie, Göttlichkeit und Canonicität zuzuschreiben. Sie ist vielmehr der lebendigen Ueberzeugung, daß nur die Verfasser der heil. Schriften unmittelbare Erleuchtung des heil. Geistes genossen und daß daher nur diese das Privilegium gehabt haben, sich in Sachen, die das Heil der Menschen betreffen, nicht irren zu können. Sie schreibt daher auch allein der heil. Schrift (von der sie glaubt, daß sie nach Inhalt und Form bis auf die geringste Keraia von dem heil. Geist eingegeben sei) jene Fülle des Inhalts zu, vermöge welcher jedes Sprüchlein der Schrift eine unausschöpfliche Quelle eines göttlichen Gedankens, ein unendlicher Entwickelung fähiges göttliches Samenkorn ist, und jenen vollkommen adäquaten Ausdruck, vermöge dessen jedes Wort, jede Wortstellung und jede Wendung darin von solcher Beschaffenheit ist, daß, je mehr dies alles urgirt wird, je mehr Geheimnisse der göttlichen Weisheit und des göttlichen Willens sich dem Schriftforscher erschließen. Dies alles aber spricht unsere Synode den Symbolen ebenso entschieden ab. Trotz dieser Grundsätze nun hat unsere Synode allerdings in das Begehren einer Anzahl von Gliedern der Fürther Pastoral-Conferenz, „unsere guten Bekenntnisse nach Anleitung der Schrift zu verstehen,“ nicht willigen zu können erklärt, und diesem Begehren gegenüber erstlich die Behauptung aufgestellt: „Lutheraner als solche haben nicht ihre Symbole nach der Schrift auszulegen.“ Wir können dies nicht zurücknehmen. Die Symbole unserer Kirche, die wir alle aus lebendiger Ueberzeugung des Herzens als die unseren öffentlich mit einem theuren Eide anerkannt haben, erklären sich ja selbst für ein „Zeugniß und Erklärung des Glaubens, wie jederzeit die heil. Schrift in streitigen Artikeln in der Kirche Gottes von den damals Lebenden verstanden und ausgelegt und derselbigen widerwärtige Lehre verworfen und verdammt worden,“ für „Zeugen, welcher Gestalt nach der Apostel Zeit und an welchen Orten solche Lehre der Propheten und Apostel erhalten worden;“ und zwar u. A. zu dem Zweck: „damit die Wahrheit desto deutlicher und klarer behalten und von allen Irrthümern unterschieden und nicht unter gemeinen Worten etwas verstecket und verborgen werden möchte,“ „daß es ein öffentliches und gewisses Zeugniß nicht allein bei den jetzt Lebenden, sondern auch bei unseren Nachkommen sein möge, was unserer Kirchen einhellige Meinung und Urtheil von den streitigen *) Genau genommen, könnten in den Symbolen vorkommende unklare und mehrdeutige Stellen gar nicht als Theile des Bekenntnisses in Betracht kommen, sondern müßten als so gut wie nicht vorhanden völlig ignorirt werden.