# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juni 1855_S191 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Rationalistische Consequenz. 191 Katechismen, darüber läßt die in Nr. 2 mitgetheilte Ansprache des Hohen Ministeriums an die evangelisch=lutherischen Geistlichen, in welcher Dasselbe erklärt nichts sehnlicher zu wünschen, „als daß allerwärts in der Kirche des Vaterlandes Gottes Wort, wie es in der heiligen Schrift enthalten und in den Bekenntnissen unserer Kirche dargestellt und wiederholt ist, lauter und rein, in aller Einfachheit und Liebe, aber auch mit Kraft und Entschiedenheit gepredigt werde“ — keinen Zweifel. Rationalistische Consequenz. In den Verhandlungen der freien Gemeine zu Magdeburg über ein neues Statut das sie sich geben wollte, kam es zu einem heftigen Zusammenstoß der beiden „Sprecher“ der Gemeine. Uhlich nämlich stellte den Antrag daß man sich eine freie „christliche“ Gemeine nennen sollte, und Sachse erklärte dagegen — nach dem Bericht der Kreuzzeitung —: „Nachdem wir in der Einleitung zu unsern neuen Statuten ausgesprochen haben daß wir nichts anderes als die unbedingte Freiheit des menschlichen Geistes anerkennen, sollen wir hinzufügen „und nennen uns eine freie christliche Gemeine?“ Dies wäre der grellste Widerspruch, eine Handschelle, Fessel die wir uns anlegen würden. Oft genug habe ich laut und vernehmlich in unserer Versammlung ausgesprochen: ich bin kein Christ — bin Atheist — und nun sollte ich in einer christlichen Gemeine fernerhin ein Amt bekleiden? Nimmermehr! Nur unter der Voraussetzung daß bei der heutigen Statutenrevision die Bezeichnung „christlich“ wegfallen würde, und in dem Bewußtsein daß das Christliche in der Gemeine schon längst verschwunden sei, bin ich bis heute in meinem Amte geblieben. Uhlich hat mir oft gesagt: so weit denke ich nicht; nur bis zu einer gewissen Grenze. Dies kommt mir vor als ob man auf einem Wege zum vorgesteckten Ziele an einen Graben kommt und nur weil er breit ist, nicht hinüber springt. Ich springe hinüber; wer mir folgen will, muß mitspringen. Nach unsern Statuten kann jeder, mag er Jude oder Muhamedaner sein, zu uns übertreten; soll er sich dann ein Christ nennen? Es ist gesagt worden, wir tauften ja, hielten Abendmahl und trauten; darauf muß ich erwiedern: von dieser Stunde an taufe ich nicht, traue nicht und halte nicht Abendmahl mehr.“ — Man hat in diesen zwei „Sprechern“ ein augenscheinliches Bild des Rationalismus vor sich. Der zahme Rationalismus scheut den letzten Schritt in das große leere Nichts, entweder weil er wirklich noch ein Band des Gewissens zu Gott fühlt, oder weil er das bewußte Generalpächtervermögen nicht hat, oder weil es ihm an persönlichem Muthe fehlt; der wilde fürchtet nichts mehr; weil er auch nichts mehr hofft; er springt über den Graben. Was die Polizei mit dem Hinübergesprungenen anfangen