# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juni 1855_S188 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 188 Über das Verfassen der Predigten. fältig und wohl verfaßte Concept schon gegebene Reihe der Bilder zerstören und hernach auf der Kanzel immer stolpern und stecken bleiben, wie J. H. Ursinus schön bemerkt in s. Ecclesiast. lib. 3. p. 39. D. Dav. Chytraeus schreibt in seinen Prolegomena in rhetoricam: Die Studiosen mögen lernen die anmaßende Dummheit Einiger hassen und verabscheuen, die da prahlen, über große Dinge aus dem Stegreif reden zu wollen, wie einige Prediger sich rühmen, daß sie ihre Predigt aus dem Aermel schütteln. Diesen sollte man ihre Dummheit und Faulheit mit Prügeln austreiben. Fr. Eberh. Rambach schreibt in seiner Vorrede zu Dr. Chr. Tim. Seidels Pastoraltheologie: Man findet, leider! solche Lehrer, die sich in ihren Predigten sowohl in Ansehung ihrer Gedanken, als des Ausdrucks dergestalt vergessen, daß es das Ansehen gewinnt, als ob sie schlechthin ohne alle Vorbereitung redeten, wenn sie das Evangelium predigen. Nur zweierlei Personen gelingt es, ohne alle Vorbereitung einen erbaulichen Vortrag zu thun; nämlich denen, die durch einen unvermeidlichen Vorfall gedrungen werden, aufzutreten, und hernach denen, die vorzüglich gute Gaben besitzen, die eine schöne theologische Gelehrsamkeit erlangt, einen heitern und ordentlich denkenden Verstand haben, denen die Worte zufließen und die sich in der geistlichen Beredtsamkeit schon lange geübt. Kommt ein solcher Nothfall, da man nicht lange Zeit hat, nachzudenken, was und wie man reden will, so kann man sich auf den Beistand Gottes verlassen, den man in einem herzlichen Gebete zu suchen hat. Außer diesen Fällen aber bleibt es allemal strafbar, wenn ein Lehrer entweder aus Faulheit, aus vermeinter Erbaulichkeit, oder aus Ueberhäufung mit Haushaltungsgeschäften, ohne Vorbereitung auftritt und schlechte und verworrene Gedanken mit eben so schlechten und verworrenen Ausdrücken ausschüttet. Vom Pericles, diesem großen Redner Griechenlands, wird uns gemeldet, daß wenn er vor Gericht oder vor Staatsversammlungen auftreten und reden sollen, die Götter angerufen habe, ihm die Gnade zu erzeigen, daß er nichts vortrüge, so nicht dem Staate nützlich und der Republik Athen würdig wäre. Was wird nun denn nicht einem christlichen Lehrer obliegen, der in Angelegenheiten des Reiches Gottes und des ewigen Heils des Menschen zu reden hat? Er muß Gott, den Geber aller guten Gaben, anrufen, daß er ihm zur Ausrichtung seiner Pflicht Gnade schenken wolle; welches Gebet aber auf eine Verspottung Gottes hinaus laufen würde, wenn er das, was ihm dabei oblieget, versäumen wollte.