# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juni 1855_S187 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Ueber das Verabfassen der Predigten. 187 diese Theile (und Unterabtheilungen) kurze Andeutungen, die den Zusammenhang vermitteln sollen. Diese Weise zieht vor andern D. Müller vor in seinem Orat. eccl. p. 52. Andere, und zwar gelehrte Theologen, schreiben die Predigt ganz wörtlich auf. Noch andere merken sich nur die Hauptsachen mit lateinischen oder deutschen Worten an und unterlassen alle weitere Ausführung und Beweisführung oder fügen dieselbe wenigstens nur in ganz wenigen Worten bei. Andere endlich gehen den Mittelweg und fassen die Wahrheiten, von denen sie reden wollen, nach einer genauen Methode, jedoch in einem kurzen, gedrängten Styl, gleichsam summarisch zusammen, verzeichnen sich die zur Ausführung nöthigen Beweise eines jeden Theils und jeder anerkannten Wahrheit und die betreffenden Sprüche und Beispiele der heil. Schrift, bemerken sich zugleich die Art und Weise, wie sie den Zusammenhang bilden wollen und behalten das Weitere der Meditation vor. Jene, welche nur allein die Hauptpuncte der Predigt sich anmerken, scheinen, nach dem Urtheil des Dr. Aeg. Hunnius in seiner Meth. conc. T. 3. col. 1039, ihrer Amtspflicht nicht völlig Genüge zu leisten. Die Predigt hingegen ganz von Wort zu Wort zu schreiben, ist, besonders im ersten Anfang dieser Uebung, das gerathenste und für Jüngere und Mindergeübtere nicht bloß nützlich, sondern sogar nothwendig, um auf diese Weise theils einen getrostern Muth (beim Vortrag), theils einen größern Reichthum an Worten zu erlangen, theils um des Gedächtnisses willen. Denn dadurch wird der Geist veranlaßt, länger bei dem Gegenstand zu verweilen, und während die Predigt auf das Papier geschrieben wird, wird sie dem Geiste zugleich aufgeprägt. Im Fortgang der Zeit kann man es jedoch, meiner Meinung nach, anders halten. Diejenigen nämlich, die vieljährige Uebung gehabt, und sich einen Reichthum und Vorrath an Stoff und Worten verschafft haben, mögen, besonders wenn es sich wegen ihrer anderweitigen Berufsarbeiten nicht anders thun läßt, die Hauptpunkte, die Beweise und Ausführung der einzelnen Theile, Zeugnisse und Beispiele der heil. Schrift genau aufzeichnen und zugleich die zur Sache sich passenden Ausdrücke und Worte beifügen. Beim Vortrag jedoch brauchen sie sich nicht so sehr an die Worte zu binden; denn auf diese Weise werden sie sich, wenn es der Gegenstand erfordern wird, viel freier bewegen und durch eine rasche Wendung (auf die sie bei der Meditation nicht gekommen sind,) die Affekten viel leichter erregen oder besänftigen können. Welche die Sprüche der Schrift gut inne haben, im Zusammenhang zu reden verstehen und es durch Uebung dahin gebracht haben, daß sie durch einen oder einige Ausdrücke sich mit Leichtigkeit an das Weitere erinnern, können sich beim Schreiben eine große Arbeit ersparen. Welche aber der vollendeten Abschrift einiges hinzufügen und anderes davon thun, einiges dazwischen schreiben und anderes ausstreichen, immer mit sich selbst unzufrieden, haben nur das von ihrer unzeitigen, allzugroßen Sorgfalt, daß sie die Arbeit beim Erlernen sich verdoppeln, und die durch das sorg-