# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juni 1855_S186 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 186 Ueber das Verabfassen der Predigten. wahr, daß z. B. der Statthalter Christi an Christus, die Jesuiten an Jesus, die Inquisition an Gottes Gericht und alle übrigen Institute an Stücke von Christenthum erinnern: um so gefährlicher aber sind die Institute, durch welche sich das Pabstthum verleiblicht. Der gelehrte Herr Verfasser obiger Schrift wird uns darum den Wunsch nicht verargen, daß die wahrhaft katholische lutherische Kirche sich nie herbei lasse, römischen Instituten um des Stücks von Christenthum willen, welches zu ihrer Erscheinung verbraucht wird, ein anderes Wort zu widmen, als die geistliche Waffe. Des Eindrucks, den das „wahrhaft katholisch“ auf jeden Leser des Missionsblattes und der genannten Schrift machen muß, möge man sich bei Zeiten bewußt werden, ehe die Sprachverwirrung einen Grad erreicht, daß weder der Pabst noch die Union wissen, was die Lutheraner eigentlich denken und wollen, wenn sie von Katholicität reden. (Für „Lehre und Wehre“ übersetzt und eingesandt von P. G.) Ueber das Verabfassen der Predigten. Darüber giebt der große lutherische Theolog Dr. Joh. Andr. Quensted in seiner Ethica pastoralis u. a. folgende beherzigenswerthe Winke. Wenn einer seine Predigt seinem Gedächtnisse leicht und tief einprägen will, der schreibe sie selbst und zwar so zierlich und so ordentlich, als möglich. Die Schönheit der Schrift benimmt beim Ueberlesen den Widerwillen, die Ordnung aber ist für das Gedächtniß das vorzüglichste Hülfsmittel, ja, nach Plato, die Seele desselben. Was du dem Gedächtniß einzuprägen wünschest, das bring zuerst in Ordnung. Vernachlässigst du die Ordnung, so vermehrst du über die Maaßen die Arbeit; was du mit vieler Mühe einbringst, wird ebenso schnell wieder entfallen. Denn was man schön und ordentlich zusammensetzt, kann man, nach Aristoteles, leicht und fest behalten. Wenn man dagegen die Dinge gleichsam in Eile unordentlich zusammenrafft, so ist dies für das Gedächtniß nur schädlich und verderblich. Es schreibe aber ein Prediger seine Predigt mit eigener Hand; denn was man mit eigener Hand schreibt, das drückt man dadurch zugleich seinem Gedächtnisse auf. Er schreibe nicht zu kleine Buchstaben, wegen des Greisenalters, in welchem die Augen dunkel werden. Er schreibe auch sorgfältig und sauber, damit er es dann mit Vergnügen lesen könne, denn was man kritzelt und schläfrig und fahrlässig schreibt, das sieht man dann nicht einmal gern an; und die sich nicht geübt haben, schön zu schreiben, schreiben mit eilender Feder die Seiten voll, können es aber hernach selbst nicht lesen. Beim Aufzeichnen der Predigten nun beachten nicht Alle eine und dieselbe Weise. Einige machen eine Tabelle und stellen darin das Thema voran, unter das Thema die dasselbe beweisenden oder ausführenden Theile, nicht bloß einige, sondern alle, allgemeine, besondere und ganz besondere und neben