# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juni 1855_S180 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 180 Aehrenlese aus den Zeitschriften der alten Heimath. ihm gewiß alle das Zeugniß, daß er mit großer Treue und vielem Fleiße die Lehren seiner eigenen Kirche erkannt hat. Auch bekennen wir, wüßten wir es sonst nicht, daß aus seinem Buche vielfach jene alttheologische Gewissenhaftigkeit herausleuchtet, die nach Wahrheit vor allen Dingen fragt.. Wie aber Stellen in dem Münchmeyer'schen Buche vorkommen, wo die Gewissenhaftigkeit des Verfassers zu hoch gespannt ist, so giebt es auch Stellen, wo dieselbe nicht genug hervortritt. Wir rechnen dahin eine Stelle S. 98 in der Anmerkung, wo es heißt: „„wir alle müssen in das lutherische Bekenntniß erst wieder hineinwachsen.““ Das gebe ich zu, ich behaupte es mit Münchmeyer von uns allen. Die Alten wuchsen organisch aus der Fülle heraus, wir kommen aus der Wüste, und müssen erst wieder „„ins Bekenntniß hineinwachsen.““ Darin hat Münchmeyer offenbar Recht; ist das aber der Fall und schließt er sich nicht von den „„allen““ aus, so begreife ich nicht, wie man als ein „„ins Bekenntniß hinein wachsender““ zugleich ein das Bekenntniß reformirender sein will. Ich will damit nicht gesagt haben, daß wir bona fide alles annehmen sollen, was wir hinter uns finden, ich will auch damit nicht gesagt haben, daß Münchmeyer seine Zweifel nicht öffentlich hätte aussprechen sollen, aber das hätte ich erwartet, daß er den Strich durch die ganze lutherische Theologie mit etwas weniger sicherer Hand gethan hätte. Zweifel vorbringen auch öffentlich, das verstehe ich, aber ein Lutheraner sein wollen und zumal ein erst wachsender und die ganze lutherische Anschauung als ganz falsch mit der größten Zweifellosigkeit beseitigen, das verstehe ich nicht. Wenn solche, die die lutherische Tradition von vorn herein verleugnen, unter andern auch diesen oder jenen Hauptartikel umstoßen, das ist begreiflich; wenn diejenigen, die lutherischer sein wollen, als Luther, da oder dort oder alles reformiren wollen, das ist auch begreiflich; aber wenn wir, die wir behaupten, wir müßten erst wieder ins lutherische Bekenntniß hineinwachsen, das Wachsen mit dem Reformiren und Ausstreichen verbinden, so ist das durchaus unbegreiflich.. Münchmeyer aber beweiset, daß Luther und Chemnitz, die Symbole und Gerhard, ja daß die ganze luth. Kirche nicht gewußt habe, wo sie selbst sei. Man bedenke nur, wenn dieses Princip, abgesehen von allem Inhalte, durchgehen soll, daß jeder abweichen kann über und gegen alle Symbole, was soll am Ende daraus werden? Was wäre solche Kirche anders, als ein Babel? So gut aber, wie der eine hinsichtlich der Kirche abweicht, so gut kann es auch ein anderer hinsichtlich des Abendmahles, ein dritter hinsichtlich der Taufe u. s. f. Daß sich für alle solche Abweichungen auch Gründe anführen lassen, das beweiset uns ja die Theologie der römischen, reformirten und neueren Kirche. Man hat von den Gefahren gesprochen, die diejenigen angeblich der Kirche bereiten, die mit den Symbolen sagen, daß die unsichtbare die eigentliche ist; aber die Gefahren zu einem völligen theologischen Independentismus dürften viel näher da liegen, wo man in hyperlutherischen d. h. antilutherischen Sätzen die ganze Geschichte der Kirche verleugnet und von vorn anfangen will mit römischen Sätzen. Die ganze neuere so hart angefochtene Theologie ist nichts gegen ein so bewußtvolles