# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juni 1855_S178 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 178 Aehrenlese aus den Zeitschriften der alten Heimath. dung eines entstandenen Glaubens= und Lehrdissensus unter ihren Gliedern, wie gegenwärtig geschehen ist, die Waffen niederlegen, so würde sie bald jenes Prädikat nicht mehr verdienen. So einig man nun, wie gesagt, in Deutschland im Urtheil über die Wichtigkeit der Sache ist, um welche sich der jetzige Kampf innerhalb unserer Kirche bewegt, so verschieden denkt man über die Nähe des Zieles desselben und über die Ausbeute, welche bereits dadurch gewonnen worden ist. So schreibt erstlich der theure Ehlers in seinem Kirchenblatt in der Nummer vom 1. Febr. dieses Jahres: „Nur kurz wollen wir derselben“ (der Kirchen= und Amtsfrage) „Erwähnung thun, meinen aber, über sie ein tröstliches Wort sagen zu dürfen. Es scheint uns nehmlich diese Frage im vorigen Jahre wesentlich gefördert; die nach den sich entgegengesetzten Seiten hin zu straff angezogenen Seile haben beiderseits nachgegeben, und so hat die zwischen beiden liegende Wahrheit Raum gewonnen und ist heller ans Licht getreten. Die Gemüther derer, die während dieses Streites treu gewandelt sind vor dem Angesichte des HErrn, und den Geist Gottes sich haben leiten lassen, sind über die Streitfrage mehr und mehr zur Ruhe gekommen; und vermögen sie es gleich auch nicht, in voller Klarheit Antwort auf die Frage zu geben, so erquickt doch ihr Auge und Herz die aufgegangene Morgenröthe und sie warten mit Zuversicht des hellen Sonnenstrahls, der sicheres Licht bringen wird. — Der HErr wird weiter Gnade geben, und wir hoffen, daß die Frage bald in den Augen aller derer, die in Einfalt die Wahrheit lieb haben, zu ihrer völligen Befriedigung wird beantwortet sein. — Wir nehmen Gelegenheit, an diesem Orte auf ein Buch hinzuweisen, von dem wir meinen, daß es über die Frage viel Licht verbreite, das wir auch zugleich als eine gute Waffe gegen den römischen Katholicismus empfehlen, nehmlich auf „„das Wesen der Kirche beleuchtet nach Lehre und Geschichte des Neuen Testaments. Von Julius Köstlin, Repetent am evangelischen Seminar zu Tübingen. Stuttgart. Verlag von S. G. Liesching. 1854.““ So gern wir nun mit dem verehrten Mann die Hoffnung theilen möchten, daß das gegenwärtige Jahr das Jahr des Friedensschlusses in Betreff der Frage von Kirche und Amt in unserer theuren lutherischen Kirche werden dürfte, so scheint uns doch Herr Dr. Petri den gegenwärtigen Stand der Dinge in dieser Rücksicht leider! richtiger zu zeichnen, wenn hingegen er a. a. O. folgendermaßen sich darüber ausspricht: „Von einem, wenn auch nur vorläufigen oder theilweisen Abschluß oder gemachten Gewinn kann indeß keine Rede sein. Die Schriften von Kliefoth und Münchmeyer auf der einen und Köstlin auf der andern Seite lassen noch wenig Versöhnung der Gegensätze erkennen, welche innerhalb einer und derselben Kirche aufgetaucht sind; denn während jene an der kirchlichen Leiblichkeit mit Ernst festhalten, macht dieser Alles geistig flüssig, selbst, wie es scheint, die Apostel. Wir haben aber nicht einfach eine Frage lutherischer Lehre und Verfassung vor uns, über welche die Glieder dieser Kirche sich lediglich zu verständigen hätten; sondern