# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juni 1855_S177 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Nebenernte aus den Zeitschriften der alten Heimath. 177 dotium visibile et externum, sed officium tantum et nudum ministerium praedicandi evangelii, anathema sit. (D. i. Wenn Jemand sagt, im neuen Bunde sei kein sichtbares äußerliches Priesterthum, sondern nur ein Amt und bloßer Dienst zur Verkündigung des Evangeliums, der sei verflucht!) Der Streit trifft also das Herz der Kirche. Wer nun in diesem Artikel abweicht, der weicht damit vom Hauptpunkte der Reformation selbst ab, wer hier corrigiren will, der will die ganze Reformation corrigiren.“ Auch in dem von dem Pastor zu Kirchbraak L. Wolff herausgegebenen „Kirchenblatt für die ev.=luther. Gemeinde des Herzogthums Braunschweig“ wird in der letzten Nummer des letztjährigen Jahrgangs des gegenwärtigen Streites über Kirche und Amt gedacht und die Ueberzeugung ausgesprochen: „Trügen nicht alle Zeichen, so will Gott die Christenheit in die vollere Erkenntniß vor Allem des 3. Artikels führen, namentlich der Lehre von der Kirche; die wichtigsten Fragen drehen sich um diesen Punkt.“ Auf diese und ähnliche Erklärungen anderer Theologen unseres Vaterlandes möchten wir diejenigen vornehmlich hierdurch aufmerksam machen, welche noch bis diese Stunde geglaubt haben, daß der Streit, welcher sich hier zwischen der Synode von Buffalo und der Synode von Missouri erhoben hat und noch immer obschwebt, ein lokal=persönlicher sei und lediglich seinen Grund in einem Verfahren habe, welches die Synode von Missouri in Betreff von Gliedern der Synode von Buffalo befolgt hat. Es ist dieß durchaus ein Irrthum. Es ist schon seit geraumer Zeit in die lutherische Kirche aller Länder das Ferment einer romanistischen Anschauung von Kirche und Amt unvermerkt eingedrungen und eben jetzt ist die Zeit gekommen, in welcher der Kampf begonnen hat, der jederzeit in der wahren rechtgläubigen Kirche nothwendig entsteht, wenn Fremdartiges, Irriges, insonderheit Antisymbolisches darin endlich sich geltend machen will. Bei diesem Zustand der lutherischen Kirche im Allgemeinen hat es denn nicht anders kommen können, als daß auch insonderheit in dem Theil der amerikanisch=lutherischen Kirche, der seine Wurzeln unmittelbar in der lutherischen Kirche Deutschlands hat, derselbe Zusammenstoß erfolgte, der dort erfolgt ist. Je wichtiger aber anerkanntermaßen die Punkte sind, um die es sich hierbei handelt, um so weniger darf sich irgend Jemand dem Gedanken hingeben, als ob es nur von Seiten der Streitenden friedlicher Gesinnungen bedürfte, um wenigstens hier wieder zu friedlichem Zusammenstehen und Zusammenwirken zu gelangen. Nein, es handelt sich ja hier nicht um Mißverständnisse; der Streit ist ja kein Zank um Worte; es ist vielmehr ein schon seit einem Jahrhundert in der lutherischen Kirche vorbereiteter und schon längst innerlich vorhandener, jetzt nur offenbar gewordener Zwiespalt über einen der allerwichtigsten Theile unseres Bekenntnisses, ein Zwiespalt, der daher auf keinem andern Wege geschlichtet werden kann, als daß der ausgebrochene Kampf aufgenommen und bis zum Siege der Wahrheit für alle, welche Kinder der Wahrheit sind, ausgekämpft werde. Unsere Kirche ist die Kirche des reinen Bekenntnisses. Würde sie bei Offenbarwer- 12