# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juni 1855_S175 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Aehrenlese aus den Zeitschriften der alten Heimath. 175 pisten gethan, das Kind mit dem Bade ausschütten, d. i. daß sie nicht mit dem Irrthum der Gegner die noch vorhandene Wahrheit, an welcher er haftet, zugleich mit wegwerfen; daß sie ferner unterscheiden die Verführer und die Verführten und wider jene die rechte Schärfe, gegen diese die christliche Lindigkeit erzeigen; daß sie in ihrer Bekämpfung auch den gebührenden Unterschied halten zwischen mehr und minder gefährlicher Irrlehre; daß sie nicht, außer dem Zusammenhange mit der Lehre, um kirchliche Ceremonien, Gemeindeordnungen und andere Mitteldinge einen sonderlichen Ernst und Eifer beweisen, als stände darin das Wesen der lutherischen Kirche und als müsse man bei Neubildung von Gemeinden nothwendig damit anfangen. Und endlich, was die Art und Weise dieses an sich gerechten, ja von Gott gewollten und gebotenen Strafens der Irrlehren betrifft, so ist es von der äußersten Wichtigkeit, daß darin ein sachlicher Ton und Haltung herrsche und persönliche Bitterkeit, Leidenschaftlichkeit und Gehässigkeit ferne bleibe, wie wir deß ein edles Muster z. B. in Luthers polemischen Schriften haben; denn obwohl sie, der Form nach, vielfach gegen einzelne Personen, als Träger und Vertreter der Irrlehre, gerichtet sind, so haben sie doch durchaus eine großartige sachliche Haltung und sind ferne von jener Gemeinheit und Bissigkeit, welche manche spätern Wittenberger Orthodoxisten und Confessionisten gegen die Pietisten an den Tag legten. Ein ähnliches edles Vorbild gesunder lutherischer Polemik in mehr wissenschaftlicher Form haben wir ferner, z. B. in den Werken eines Joh. Gerhardt und M. Chemnitz, vor uns, denen man es, gleichwie Luthern, abmerkt, daß es ihnen nur an der Ehre ihres Gottes und seines heil. Wortes und an der Kirche Nutz und Frommen gelegen ist, auch wo sie mit gebührender Schärfe die Irrlehren strafen. So hätten wir denn in diesem ersten Artikel darzuthun versucht, wie Lehre und Wehre in der Predigt zu handeln sei, um, ob Gott will, hierdurch den Grund zu legen zu erkenntnißreichen, gläubigen, bekenntnißtreuen und in der Liebe thätigen lutherischen Gemeinden, von deren Auf- und Fortbau dann im Folgenden die Rede sein soll. — Aehrenlese aus den Zeitschriften der alten Heimath. Eine Anzahl Deutscher lutherischer Zeitschriften von den letzten fünf Monaten liegt wieder vor uns. Bei einer Durchsicht derselben drängt sich uns vor allem die einerseits tröstliche, andererseits betrübende Wahrnehmung auf, daß, was uns hier in Kampf mit Gliedern unserer Kirche verwickelt hat, noch immer ein, ja fast der Hauptgegenstand des Streites auch innerhalb der lutherischen Kirche unseres alten Vaterlandes ist. Wir finden nehmlich, daß alle Stimmführer, zwar einig in der Anerkennung der Wichtigkeit der Lehren von Kirche und Amt, hingegen in ihren Ueberzeugungen über