# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juni 1855_S173 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Wie werden wahrhaft lutherische Gemeinden gegründet ꝛc. 173 16. — zur Offenbarmachung und Abwehr der Irrlehre, so ist die lutherische Kirche von Anfang auch in diesem Stücke treu erfunden worden und hat das zweischneidige Schwert des Geistes, das Wort Gottes, eben so geschickt als fleißig geschwungen, sowohl wider das abergläubische Zuthun der Papisten, als wider das ungläubige Abthun der Schwärmer, indem sie kindlich und einfältig am Worte Gottes, wie es lautet, hanget und haftet und es als Oberrichter und letzte Instanz in allen Glaubens= und Lehrstreitigkeiten siegreich behauptet. Und in der That hält die Wahrhaftigkeit der lutherischen Kirche mit ihrer Lehrhaftigkeit gleichen Schritt, indem sie hält ob dem Worte, das gewiß ist und dadurch eben vermag, sowohl zu ermahnen durch die heilsame Lehre, als auch die Widersprecher zu strafen und den Irrlehrern das Maul zu stopfen. Zwar ist es wahr, daß sie sich durch die heilsame Schärfe in ihrer Widerlegung der Irrlehre nicht nur bei den Papisten, sondern auch bei den Unionisten der neuern Zeit dies= und jenseits des Meeres schlechten Dank verdient, ja sich z. B. auch hier zu Lande bei den falschen Brüdern und Afterlutheranern der sogenannten lutherischen Generalsynode stinkend und verhaßt macht. Das darf sie aber nicht irren, viel weniger hindern, ihre polemische Stellung, wie überhaupt gegen alles Falsche und Irrige, so auch gegen das Blendwerk und Gaukelspiel dieser modernen Union aufzugeben; denn die lutherische Kirche ist in That und Wahrheit die rechte Union, indem sie die streitenden Gegensätze und entgegengesetzten Abirrungen des falsch verleiblichenden Papstthums, wie des falsch vergeistigenden Reformirtenthums meidet und fliehet, den rechten Schriftverstand der streitigen Lehren zusammenfaßt und daraus die irrigen Lehren, als solche, nachweiset; denn die lutherische Kirche ist deß göttlich gewiß, daß sie in ihrem Bekenntniß die reine Lehre göttlichen Wortes bezeugt und als Pfeiler und Grundveste der Wahrheit verkündigt und fortpflanzt, indeß die falsche indifferentistische Union des 19. Jahrhunderts, wie ihr berühmtester neuer Vertreter und Vertheidiger, Herr Dr. Jul. Müller, das kein Hehl hat, jetzt offen erklärt, daß es gar keine absolute, sondern nur eine relativ=reine Lehre gebe, ja wegen der sündhaften Beschaffenheit der Menschen geben könne, so daß der Irrthum mithin nothwendig sei. *) Die lutherische d. i. rechtgläubige Kirche dagegen, die da weiß, daß der HErr selbst durch den unreinen Mund eines Bileam und Kaiphas, die göttliche Wahrheit zur Seligkeit bezeugen könne, behauptet und vertheidigt diese Wahrheit wider alte und neue Irrthümer und Ketzereien und zwar vornämlich aus folgenden Gründen: Für's Erste deshalb, weil diese Wahrheit: ihr von Gott selber in seinem *) Daß natürlich solche Behauptung die Dunkelheit und Unklarheit der heil. Schrift auch in den Stücken, die zur Seelen Seligkeit gehören, wenigstens stillschweigend voraussetzt, ist klar genug; und am Ende steckt im Hintergrunde nichts als der Zweifel, ob denn die heil. Schrift wirklich wörtlich vom heil. Geiste eingegeben sei, da doch die Schreiber, die Propheten und Apostel, auch in ihrem Wandel keine vollkommene Heiligen gewesen seien?