# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juni 1855_S172 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 172 Wie werden wahrhaft lutherische Gemeinden gegründet ꝛc. kämpften, den Lauf vollendeten und Glauben hielten; denn eben um der Uebung und Stärkung des Glaubens willen sandte Gott das Kreuz, damit er von dem kindlich=kindischen Zustande der ersten Zeit aus endlich zum Mannesalter in Christo gelangen und wider alles Dünken und Meinen der Vernunft und wider alles Fühlen des Herzens selber felsenartig auf dem Felsgrunde göttlicher Zusage und Verheißung in heil. Schrift immer mehr feststehe und daraus allein auf die Gesinnung Gottes in seiner Zusendung des oft schweren und langwierigen Kreuzes schließe; nur um deswillen geschehe es unter Gottes Verhängung und nach seiner unerforschlichen Weisheit und seinem unbegreiflichem Regiment, sowohl seiner ganzen Kirche als auf jeder einzelnen gläubigen Seele, daß selbst der Teufel, bald allein, bald durch seine Gehilfen, Welt und Fleisch an die Christenmenschen hetze, damit auch in dem heißesten Feuer (dessen Hitzegrad jedoch von Gott genau bestimmt ist) das edle Gold des Glaubens nur um so schärfer von allen Schlacken geschieden und um so köstlicher erfunden werde, damit Christus auch in seinen Gläubigen (die denn um so fester Christum, für sie gekreuziget und auferstanden, festhalten) mitten in seiner scheinbaren Schwachheit und Ohnmacht den stolzen und mächtigen Geist darnieder lege und durch das evangelische Trostwort auch unter die Füße der Seinen trete; denn was könne dem hoffärtigen Fürsten, ja Gotte dieser Welt schimpflicher und schmachvoller sein, als daß er mit all seiner Macht und List, er möge nun als brüllender Löwe oder als gleißende Schlange erscheinen, ja sogar in einen Engel des Lichtes sich verstellen, er möge nun ohne die Welt die feurigen Pfeile der geistlichen Anfechtungen in die Seele schießen oder durch die Welt bald listige Fangschlingen und Fallstricke legen, bald furchtbare Stürme und Wasserwogen erregen, doch an diesen und jenen, häufig sogar vereinzelten und zerstreuten und vor der Welt niedrigen und geringen Christgläubigen gründlich zu Schanden werde, die mit dem Schilde des Glaubens die feurigen Pfeile auslöschen, und mit dem Schwerte des Geistes, dem Worte Gottes, all seine Macht zurücktreiben und seine listigen Anschläge vereiteln. Und indem also durch das Kreuz der Glaube Christum und sein Verdienst aus dem Evangelio und Sakrament immer mehr sich aneigene und dem werthen Heiland auch im Leiden und Dulden immer mehr nachfolge, so geschehe es, daß der Gläubige immer mehr in das Bild Christi verkläret werde und Christus immer mehr in ihm Gestalt gewinne, welche süße Frucht ohne die bittere Arzenei des lieben Kreuzes nimmer erfolgen würde. Wir haben nun bisher in überschaulichen Umrissen nachzuweisen versucht, wie die lutherische Kirche die heilsame Lehre göttlichen Wortes nach Gesetz und Evangelium handle und ihren Kindern die Buße zu Gott, den Glauben an unsern HErrn JEsum Christum, die guten Werke und das liebe Kreuz rein und lauter verkündige, also daß sie dadurch können selig werden. Wie aber alle Schrift, von Gott eingegeben, nicht bloß nütze ist zur Lehre, sondern auch zur Strafe, d. i. — nach jenem Zusammenhang in 2 Tim. 3,