# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juni 1855_S169 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Wie werden wahrhaft lutherische Gemeinden gegründet ꝛc. 169 theils mittelbar auch diese Lehre fälscht, so umgekehrt fließen sie alle zu vereinter Kraft in dieser zusammen. Mit Recht ist also diese Lehre der Augapfel und das Herzblut aller recht evangelischen oder lutherischen Predigt, sie ist die Arznei der Kranken, der Trost der Angefochtenen, das Labsal der Sterbenden, die Stärke der Schwachen, das Licht der Irrenden, die Stütze der Wankenden, die Milch der Kindlein, die starke Speise der Erwachsenen, das Leben der Todten, die Freude der Engel, das Schrecken der Teufel; und wie alle Auslegung des Gesetzes nur eine Vor- und Wegbereitung dieser Predigt ist, so gehen alle evangelischen Ermahnungen an die in Glauben Gerechten zur Erfüllung des Gesetzes wiederum von dieser Predigt aus; und aus ihr wird klar und offenbar, daß und wie der Glaube das Gesetz einerseits aufhebe und andererseits es doch wiederum aufrichte (Röm. 3, 25). Hieran schließt sich nun also das dritte Stück, das die schriftgemäße oder lutherische Predigt zu handeln hat, nämlich die Lehre von den guten Werken. Auch diese ist, wie vor Augen liegt, sowohl von den Papisten als Schwärmern übel verderbt, die beide darin übereinkommen, daß sie die Werke nicht wesentlich und ausschließlich vom Glauben ableiten nach Röm. 14, 23., Joh. 15, 5., sondern gröber oder feiner aus der natürlichen Willenskraft des Menschen, als mehr oder minder mitwirkend, ja verdienstlich zur Vergebung der Sünden, wie bereits oben nachgewiesen ist. Daß aber solche Werke, nach Ursprung, Inhalt und Wirkung betrachtet, keine guten sind, ist klar und offenbar; denn hinsichtlich des Ursprungs, so sind sie keine Wirkung des heil. Geistes und des Glaubens, sondern arge Früchte des erb­sündlichen, verderbten faulen Baumes, hervorgehend aus knechtischer Furcht vor Gottes zeitlicher und ewiger Strafe und zugleich aus Gesuch des Lohnes, kurz Werke solcher Menschen, die als noch in Adam und noch nicht in Christo Gotte mißfällig sind; hinsichtlich des Inhalts, so sind sie nicht minder keine guten, sondern böse Werke, weil sie mehr oder minder wider Christi Verdienst eine Gerechtigkeit vor Gott verdienen wollen und geradezu wider Röm. 3, 24—26. 28.—Röm. 4, 3—5. Gal. 2, 16. 21. Ephes. 2, 8. 9. anlaufen und die Lehre des Evangeliums von der Rechtfertigung des Sünders vor Gott tödtlich verletzen; hinsichtlich der Wirkung solcher Werke wird ihre böse Beschaffenheit daraus klar ersichtlich, daß die Thäter derselben, je nach ihrem“ inneren Zustande, entweder in der Vermessenheit, oder in der Verzagtheit, immer mehr zunehmen; und nicht minder in ihrer Richtung nach Außen, in ihrer eigentlichen oder zufälligen Wirkung auf andere Menschen, die näher oder ferner Gegenstände derselben sind, erweisen sie sich nicht als gute Werke, da sie eben, auf keinerlei Weise mit dem Bekenntniß Christi verbunden, nur heuchlerischen Menschendienst und glaublose Werkerei, also nichts wesentlich Gutes sondern Böses in den ungläubigen Empfängern solcher Werke wirken. Ganz anders ist es aber mit der evangelischen d. i. lutherischen Lehre von den guten Werken bewandt; denn diese werden lediglich als solche darge-