# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juni 1855_S168 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 168 Wie werden wahrhaft lutherische Gemeinden gegründet ꝛc. einerseits und den aus dem mündlich verkündigten (oder geschriebenen) Evangelio diesen Christum und sein Verdienst ergreifenden, sich aneignenden und festhaltenden (und freilich zuvor durch das Evangelium gewirkten) Glauben des Menschen andererseits. Sie bezeugen nicht scharf, klar und bestimmt, daß in Hinsicht auf die erwerbende That und das durch Christum ein und für allemal geschehene Versöhnungs- und Erlösungswerk alle Menschen thatsächlich, wirklich und wahrhaftig erlöst und versöhnt sind, Kain, Esau, Bileam, Saul, Judas ebensowohl, als Abel, Jakob, Moses, David und Johannes, ehe sie geboren waren und das Evangelium an sie gelangte; denn also steht geschrieben Röm. 5, 18: „wie nun durch Eines (nämlich durch Adams) Sünde die Verdammniß über alle Menschen gekommen ist, also ist auch durch Eines (d. i. Christi) Gerechtigkeit die Rechtfertigung des Lebens über alle Menschen gekommen.“ (vergl. 1. Joh. 2, 2. Jes. 53, 6. Joh. 1, 29.) Diese scharfe und klare Auseinanderhaltung der evangelischen Gnade als der Gabehand Gottes, und des aneignenden Glaubens, als der Nehmehand des Menschen, ist durchaus der kirchlichen oder der lutherischen Predigtweise eigenthümlich, die es also nicht verschuldet, wenn etwa Jemand den Glauben als eine verdienstlich mitwirkende Kraft zur Rechtfertigung des Sünders vor Gott ansähe. Aber nicht minder als diese Auseinanderhaltung von Gnade und Glauben, ist wiederum die schriftgerechte Verbindung beider der lutherischen Predigtweise eigenthümlich: denn so gewiß die Versöhnung und Erlösung des ganzen menschlichen Geschlechtes durch die Gnade Gottes und durch das Verdienst Christi vor und über allem Glauben wahrhaftig vollbracht ist, so gewiß kann sie aus dem Evangelio nur durch den Glauben dem Einzelnen zugeeignet werden, also daß Christus in ihm geboren wird und durch die folgende Ernährung aus dem Evangelio und heil. Abendmahl in ihm wächset, zunimmt, Gestalt gewinnt und zum Mannesalter gelangt. Und um solcher Vereinigung willen — denn ohne den aneignenden Glauben kann Christus mit seinem Verdienste eben so wenig in die Seele des Menschen hinein, als die erleuchtende Sonne in das erblindete oder eigenwillig geschlossene Auge und als die gesunde Speise in den verschlossenen Mund des Menschen — um solcher Vereinigung willen von Christus und Glauben wird denn auch von diesem letzteren ausgesagt und bezeugt, daß er rechtfertige, obwohl wesentlich und eigentlich dies nur Christus thut und dessen Verdienst in der Ergreifung des evangelischen Zeugnisses von seinem verdienstlichen Leben, Leiden und Sterben nur dem Glauben zugerechnet wird. Diese Lehre nun vom rechtfertigenden Glauben, in welcher die Aneignung des ganzen Heils in Christo aus den Gnadenmitteln, dem heil. Evangelio und den Sakramenten, beschlossen ist und daraus erst die Lehre von guten Werken und christlichen Tugenden herfließt — diese Lehre ist das theuerwerthe köstliche Kleinod und die herrliche Leuchte, die rein und lauter, ungefälscht und ungetrübt nur in der lutherischen Kirche strahlt und alle Artikel der heilsamen Lehre gleichsam in sich vereinigt; denn wie jede Fälschung jedes Grund=Ar-