# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juni 1855_S167 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Wie werden wahrhaft lutherische Gemeinden gegründet ꝛc. 167 tiefgesunkenste, elendeste, verkommenste, von der moralisch ehrbaren Welt längst ausgestoßene, von allen gesetzlichen Aerzten, als verzweifelt unheilbar längst aufgegebene Sünder, der durch die Arbeit des Gesetzes aus seinem Sündenschlafe erweckt und durch die Größe und Menge seiner Sünden und durch die Erkenntniß seiner erbsündlichen verderbten Natur erschreckt, und von Herzen göttlich traurig und hungrig und durstig nach der Gerechtigkeit vor Gott geworden ist, eine Zuversicht zu Gottes Gnade in Christo fassen und durch gläubige Ergreifung, Aneignung und Festhaltung Christi und seines Verdienstes aus solcher evangelischen Predigt könne Vergebung der Sünden, Gerechtigkeit vor Gott, den Heiligen Geist, die Kindschaft Gottes und das ewige Leben erlangen; denn gerade solche Sünder der Obrigkeit der Finsterniß und dem höllischen Wolfe aus dem Rachen zu entreißen, sie in das Reich des lieben Sohnes zu versetzen, an dem sie haben die Erlösung durch sein Blut, nämlich die Vergebung der Sünden und ihnen endlich zu dem Erbtheil der Heiligen im Licht, zur ewigen Seligkeit und Herrlichkeit zu verhelfen, das ist fürwahr ein größerer Triumph der Gotteskraft des Evangeliums und seiner reinen und lautern Verkündigung, als daß Joseph, Samuel, Daniel, Simon, Hannah, Maria, Lazari Schwester, Nathanael, Johannes u. A. durch dasselbe Mittel zu demselben Ziele gelangen. Das ist also die echte und rechte, christliche, biblische, kirchliche, d. i. lutherische Verkündigung des Evangeliums, daß darin vor allen Dingen und allezeit die große That Gottes, die Gnade des Vaters, das Verdienst des Sohnes, die Kraft des Heiligen Geistes vor den Gemeinden gründlich ausgebreitet und mit Beweisung des Geistes und der Kraft, dazu nicht große menschliche Rednergaben erforderlich sind, bezeugt werde. Sodann aber soll nun freilich die Lehre nicht fehlen, wie der Glaube des Menschen sich zu solcher That Gottes verhalte. Bei den Papisten wird er bekanntlich zu einem äußerlichen Fürwahrhalten der heil. Schrift herabgeschwächt und heruntergedrückt; bei den Schwärmern (Methodisten, Albrechtsleuten u. dergl.) wird er theils höchst verworren und unklar in die evangelische Lehre hineingemengt, theils auch dadurch seiner Würde und Kraft beraubt, daß er nur mit den Werken vor Gott rechtfertige. In Betreff der unklaren Lehre vom Glauben, in den Predigten der Schwärmer — deren keine zudem eine Ahnung vom Zusammenhang der evangelischen Lehre in ihren einzelnen Artikeln hat — wird der Glaube an Christum sehr häufig an die Statt der Gnade Gottes oder des Verdienstes Christi gesetzt und höchst ungeschickt und verwirrend in den zweiten Artikel hineingemengt, als geschehe es durch den Glauben, daß der Mensch erlöst sei oder als wirke er doch mit zur Erlösung und zur Versöhnung mit Gott. Diese losen Flattergeister nämlich, die Schwärmerprediger, unterscheiden in ihrem wirren Durcheinander nicht den gnädigen Willen und Rathschluß Gottes zur Erlösung des menschlichen Geschlechtes sammt dem denselben ausführenden allgenugsamen und vollgültigen Versöhnungs= und Erlösungswerk Christi (oder dessen Erwerbung und Verdienst)