# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juni 1855_S165 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Wie werden wahrhaft lutherische Gemeinden gegründet ꝛc. 165 Schwert nach Hebr. 4, 12. zu erzeigen, so mengen sie hier theils das göttliche Gesetz, theils ihre eigenen Satzungen und Menschengebote ins Evangelium und hindern dasselbe, sich als eine Kraft Gottes zu erweisen, selig zu machen alle, die daran glauben. Denn zum Ersten behaupten sie ohne allen Schriftgrund und wider das Licht und die Lehre des Evangeliums vom vollgültigen und allgenugsamen Verdienste Christi, daß der Mensch theils selber zur Büßung und Genugthuung für seine wirklichen Sünden, nach Anordnung des Priesters, verdienstliche Werke thun müsse, sonderlich Beten, Fasten und Almosengeben, um daraus die Absolution zu erlangen, theils daß ihm durch den Ablaß Christi und der Heiligen überschüssiges Verdienst (als welche mehr gute Werke gethan, als von ihnen im Gesetz erfordert worden und mehr Kreuz und Trübsal erlitten, als sie verdient hätten) mitgetheilt würde. Zum Andern behaupten sie nicht minder wider das Licht, den Trost und die Kraft des Evangeliums, daß der Gehorsam gegen den Papst, der, nach göttlichem Rechte, als Christi Statthalter die Kirche auf Erden regiere, und Macht habe, Gesetze zu stellen und die Gewissen der Christen bei Verlust von ihrer Seelen Seligkeit daran zu binden, verdienstlich sei, und daß erst durch das Amt des Priesterstandes, als eine Art Mittlerstandes zwischen Christo und der Gemeinde, die Absolution und die heil. Sakramente kräftig und wirksam sei; da aber dieser Gehorsam der Werke gegen Papst und Geistlichkeit allezeit ein unvollkommener sei, so könne und dürfe auch kein Christ der Vergebung der Sünden und seiner Seligkeit gewiß werden und sein. Nicht minder behaupten dann auch die Schwärmer, als Methodisten u. A.: daß der Glaube mit den Werken gerecht und selig mache und mischen also gleichfalls Gesetz ins Evangelium, wenngleich diese Verunreinigung des Evangeliums nicht so mannigfaltig und gegliedert ist, als bei den Papisten. Was Wunder daher, wenn bei Papisten und Schwärmern die also gefälschte evangelische Predigt nur eine zweifache verderbliche Wirkung hervorbringt und außer Stande ist, gesunde Christen zu erzeugen und zu erziehen, zumal im Zusammenhang mit obiger Abschwächung und Verunreinigung der Auslegung des Gesetzes durch eine ungehörige Vorwegnahme und Einmengung des wahren Evangeliums oder durch schädliche und schändliche Vermischung mit einem erdichteten und falschen? Entweder nämlich müssen durch solche Predigt selbstgerechte und werkheilige Heuchler nach dem Vorgange der Pharisäer in der jüdischen Kirche, erzeugt werden, denen alle gründliche und reumüthige Erkenntniß des Gesetzes und alle wahre Buße zu Gott fehlt, also daß sie, als selbst gewachsene Heilige, in schrecklicher Vermessenheit einherwandeln, oder blöde und erschreckte Gewissen, denen um der gleichzeitig erforderten Werkerei willen, der wahre lebendige Glaube an Christum und die tröstliche Zueignung seines allgenugsamen Verdienstes fehlt, also daß sie in nicht minder schrecklicher Verzagtheit umherwandeln und zu keiner göttlichen Gewißheit ihres Gnadenstandes hindurchdringen können. Gar anders und besser ist es aber mit der lutherischen, d. i. kirchlichen,