# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juni 1855_S164 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 164 Wie werden wahrhaft lutherische Gemeinden gegründet ꝛc. Weise der Darstellung. Denn was zunächst das Erstere betrifft, so ist klar und am Tage, daß jene beiden Feinde der lutherischen Kirche die reine und lautere Predigt und Auslegung des Gesetzes durch Einmischung eines falschen Evangeliums trüben und fälschen. Die Papisten nämlich leugnen nicht bloß, wider Gottes Wort die Sträflichkeit und Verdammlichkeit der Erbsünde, und behaupten, gleichfalls wider die Schrift, daß der natürliche unwiedergeborene Mensch aus eigner Kraft und Willen sich für die Gnade in Christo anschicken und bereiten, ja durch Liebe und gute Werke die Gnade sich verdienen könne, dergleichen, daß nicht nur die Zerknirschung des Herzens, sondern sogar das bloße Verlangen darnach vor Gott verdienstlich und mitwirkend zur Seligkeit sei ꝛc. Auf gleiche Weise aber fälschen durch Einmengung eines erdichteten Evangeliums die Schwärmer von allerlei Art und Farbe die reine Lehre des Gesetzes der heil. zehn Gebote, denn wo sie lehren, daß „irgend“ welche geistliche Zucht und Uebung, diese und jene Gebets=Anstrengung oder sonderlicher Bereitung es bewirke, daß der heil. Geist empfangen und der Glaube an Christum erzeugt werde, da mengen sie gewissermaßen ein falsches Evangelium in das Gesetz und hemmen und hindern das letztere, als der Hammer und das Schwert Gottes kräftig bis in das innerste Herz durchzudringen und den Menschen aller eigenen Kraft und Gerechtigkeit baar und ledig zu machen und den schrecklichen Zwiespalt und Widerspruch ihm aufzudecken, der zwischen seiner Beschaffenheit und Willen und Gottes Regel und Willen besteht. Was aber die Form und Weise der Predigt des Gesetzes bei Papisten und Schwärmern anbelangt, so haftet in beiden der Mangel und die Unart, daß sie meist nur einzelne Sünden und zwar die gröberen, bei den Römischen z. B. die sogenannten Todsünden, bei den Schwärmern Fluchen, Saufen u. s. w. scharf strafen und gleichsam Spießruthen laufen lassen, die Wurzel aber aller dieser gröberen Auswüchse und Ausbrüche, nämlich die Erbsünde und die Verdammlichkeit derselben, nicht mit der von Gott gewollten Schärfe des Gesetzes angreifen und dem Sündenbaum die Axt des ersten und zehnten Gebotes nicht an die Wurzel legen. Das ist aber gerade die biblisch=gesunde und normale, d. i. die lutherische Art und Weise in der Predigt des Gesetzes, daß sie vornämlich das erbsündliche Verderben der menschlichen Natur angreift und die böse Wurzel, den angebornen Unglauben und Ungehorsam in den einzelnen Sünden, als argen Früchten nachweist und aufzeigt und immerdar den Satz handelt, ein arger Baum kann nicht gute Früchte bringen, dergestalt, daß eben nicht die argen Früchte den bösen Baum machen, sondern umgekehrt der faule Baum nothwendig verderbte Früchte aus sich erzeugen muß. In Hinsicht aber auf die Predigt des Evangeliums, so findet auch hier ein großer Unterschied zwischen der lutherischen, d. i. kirchlichen Predigtweise und der, der Papisten und Schwärmer gleichfalls nach Form und Inhalt statt. Die Papisten nämlich, wie sie oben ein falsches Evangelium ins Gesetz mischten und dieses dadurch abstumpften, sich als das scharfe zweischneidige