# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juni 1855_S163 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Wie werden wahrhaft lutherische Gemeinden gegründet ꝛc. 163 wort die Gewissen also gefangen und verstrickt würden, als sei jene Form nicht zu den Mitteldingen gehörig, als bloße menschliche Ordnung der evangelischen Freiheit den Gemeinden unterworfen, sondern eine Art apostolischer und göttlicher Kirchen-Ordnung und etwas Ursprüngliches und Wesentliches zum Entstehen und Bestehen des lutherischen Kirchenthums nothwendig Erforderliches. Denn wer möchte wohl verblendet genug sein, nun nicht zu sehen, daß durch solchen Wahn und dessen praktischen Durchführung den römisch=papistischen Kriegsleuten gleichsam ein Seitenpförtchen und Hinterthürlein aufgebrochen würde, um wenigstens später — gern wider die Meinung und Willen jener wohlmeinenden lutherischen Stimmführer — in den ehernen Thurm des lutherischen Bekenntnisses einen Eingang zu finden, und am Ende die ganze Veste zu erobern? Denn wenn irgendwo und wie Gesetz und Evangelium und die darin enthaltene Lehre von der christlichen Freiheit, ja selbst, wie es folgerecht nicht anders sein kann, in die von der Rechtfertigung, gemischt wird, so ist das Wesen des lutherischen Bekenntnisses und Kirchenthums verdrängt und das römisch=papistische Unwesen an dessen Stelle getreten; und dies möchte jetzt um so bedenklicher und gefährlicher sein, als die Zeichen der Zeit allen, die Augen haben zu sehen, klar genug anzeigen, daß die römische Kirche jetzt mehr als kurz zuvor, alle List und Trügerei daran setzt und Land und Meer durchzieht, um Proselyten zu machen. Nach diesen Andeutungen nun nehmen wir unsere Frage wieder auf: Wie werden wahrhaft lutherische Gemeinden gegründet und erzogen? Antwort: 1. durch die reine und lautere Predigt des göttlichen Wortes und durch die rechte Theilung des Wortes der Wahrheit (2 Timoth. 2, 15.) d. i. des Gesetzes und des Evangeliums; jenes, als des Willens Gottes, wie der Mensch sein und was er thun und lassen solle, sammt aller angehängter Drohung göttlichen Zornes und der gerechten Strafgerichte des Herrn wider die böswilligen Uebertreter, wie solches denn auch die heil. Geschichte vielfältig nachweiset, um die groben und feinen Sünder zur Erkenntniß ihres sündlichen Verderbens, zu herzlicher Reue und Leid darüber und zum aufrichtigen Bekennen desselben zu bewegen; dieses, das Evangelium, als die fröhliche Botschaft von der Gnade Gottes in Christo, der an unserer Statt durch seinen thätigen Gehorsam die zehn Gebote erfüllete, und an unserer Statt durch seinen leidenden Gehorsam unsere Uebertretung und Sünde gebüßt und gesühnt hat und der sich zurechnen ließ alle unsere Sünde, Schuld und Strafe, auf daß uns mittelst des Glaubens an Ihn, zugerechnet würde all seine Gerechtigkeit und Verdienst und wir der ewigen Seligkeit theilhaftig würden. Die lutherische, d. i. kirchliche Predigtweise vom Gesetz und Evangelium unterscheidet sich aber von der, welche sowohl die Papisten als die Schwärmer treiben, theils in Hinsicht auf dem Inhalt, theils in Bezug auf die Form und