# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Mai 1855_S160 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 160 Excerpte als Beiträge zur pastoralen Casuistik. verbunden bei der großen Belohnung, wo er derselben genießen will und ihm gewißlich erfolgen wird, wenn er sich hierin wohl und unnachläßig verhält. Denn Dan. 12. steht geschrieben: Die Lehrer werden leuchten wie des Himmels Glanz, und diese viel zur Gerechtigkeit unterweisen, wie die Sterne immer und ewiglich. Und Matth. 25. zeigt Christus an, wie er am jüngsten Tage zu seinen getreuen Knechten sagen wolle: Ei du frommer und getreuer Knecht, du bist über Wenigem getreu gewesen, ich will dich über viel setzen, gehe ein zu deines Herrn Freude. Wer demnach unter den Predigern dem Zorngerichte Gottes, zu ewiger Verdammniß, entfliehen und dagegen in der Gnade Gottes, zur ewigen Seligkeit, erhalten und darin hochgeehrt sein will, der bleibe Gott und einem jeden seiner Pfarrkinder getreu von ganzem Herzen, also, daß er nicht allein auf dem Predigtstuhl öffentlich mit großem Ernst das Seine thue, sondern auch privatim desgleichen, und bilde sich nicht ein, daß er hiemit oder damit vor Gott entschuldigt sein könne, sondern halte es für das Allergewisseste, daß, so lange er noch ein einig Mittel übrig hat, dadurch des Irrenden und Gefallenen Seele kann und mag gesucht werden, er vor Gott und seinem Gerichte nimmer entschuldigt sein kann, er nehme denn dieses Mittel ins Aeußerste zur Hand und versuche dadurch das Seine, also, daß an ihm mit gutem Wissen und Willen nichts mangle. Kann der Pfarrherr und Beichtvater allein an dem Gefallenen nichts gewinnen, so ziehe er seine Collegen oder andere fromme Christen und Kirchenväter zu sich, weise ihn ans Consistorium, und was er dergleichen Wege zur Hand haben kann. Will das Alles nicht helfen, so (spricht Christus Matth. 18) sage er es der Gemeine, d. i., er klage ihn öffentlich vor der Gemeine an und strafe sein gottloses Wesen, ob er noch dadurch auf andere Gedanken gebracht und gewonnen werden möchte. Mag das aber auch nicht sein, so bezeuget er öffentlich, daß ihn der Satan gefangen führet nach seinem Willen in seinen Stricken, 2. Timoth. 2., dem er sich übergeben, und sich also selbst verurtheilt hat, Tit. 3.; deswegen halte man ihn für einen Heiden und Zöllner, Matth. 18. Und damit hat der Prediger dem Seinen genug gethan, daß er nicht allein kann vor Gott und der Welt genugsam entschuldigt sein, sondern wird auch den Ruhm und das Lob eines treuen Seelsorgers vor Gott und allen christlichen Menschen zeitlich und ewiglich haben. Den 26. Nov. Anno 1573. (Siehe: Thesaur. consil. von Dedekennus. Vol. II. fol. 745—48.) Anmerkung. Simon Musäus ist nicht mit dem großen Jenaischen Theologen Johannes Musäus zu verwechseln. Ersterer war des letztern Urgroßvater und ist, nachdem er um seines Eifers willen für die reine Lehre zehnmal exilirt worden war, endlich als Decan im Thal Mansfeld im Jahre 1582 gestorben.