# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Mai 1855_S159 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Excerpte als Beiträge zur pastoralen Casuistik. 159 Amt und Beruf nimmermehr kann genug thun, wo er nicht dieses Einigen Seele absonderlich so getreulich wartet, als der ganzen Kirche und Gemeine zusammen. Es ist für gewiß zu schließen, wenn er nicht die Eine Seele von Herzen meint und dieselbe zu erhalten sucht, daß er die ganze Kirche nimmermehr von Herzen meinen und ihre Glieder insgesamt zu erhalten sich sonderlich angelegen sein lassen werde. Ist er nicht treu im Geringen, so wird er nimmermehr treu sein im Großen. Sein Predigen und Lehren, sein Strafen und Trösten, sein ganzer Amtsdienst und Alles, was er thut, kommt ihm nicht ans Herz und ist ihm kein Ernst, sondern thut es für die lange Weile, nur schlecht seinem Götzenbauch zum Besten, daß er denselben bei guten Tagen und epikurischem Sauleben erhalte. Wer demnach im heil. Predigtamt seinem Amt und Beruf, so viel möglich, durch Gottes Beistand genug thun will, der muß je so getreue Sorge für ein Schäflein allein, als für die ganze Heerde zusammen, tragen; und zwar, nach Christi Anweisung, Luc. 15., ist ein gefallener Sünder vor neun und neunzig Gerechten in sorgfältige Achtung zu nehmen. Daneben ist ein jeder Prediger hiezu verbunden bei der schweren Strafe, die Gott in seinem Worte darüber verkündigt hat, wofern er derselben entgehen will. Ezech. 33. spricht er, daß er das verlorene Blut der Gottlosen wolle von des untreuen Predigers Hände fordern; auch Ezech. 34.: Du Menschenkind, weissage wider die Hirten Israel, weissage und sprich zu ihnen: So spricht der HErr HErr: Wehe den Hirten Israel, die sich selbst weiden; sollen nicht die Hirten die Heerde weiden? Aber ihr fresset das Fette und kleidet euch mit der Wolle, und schlachtet das Gemästete, aber die Schafe wollet ihr nicht weiden. Der Schwachen wartet ihr nicht, sondern gestreng und hart herrschet ihr über sie, und meine Schafe sind zerstreuet und gehen irre hin und wieder auf den Bergen und auf den hohen Hügeln, und sind auf dem ganzen Lande zerstreuet, und ist niemand, der nach ihnen frage oder ihrer achte. Darum höret ihr Hirten des Herrn Wort: So wahr ich lebe, spricht der HErr HErr, weil ihr meine Schafe laßt zum Raub, und meine Heerde allen wilden Thieren zur Speise werden, weil sie keine Hirten haben, und meine Hirten nach meiner Heerde nicht fragen, sondern sind solche Hirten, die sich selbst weiden, aber meine Heerde wollen sie nicht weiden; darum höret ihr Hirten des HErrn Wort; so spricht der HErr HErr: Ich will an die Hirten, und will meine Schafe von ihren Händen fordern, und wills mit ihnen ein Ende machen, daß sie nicht mehr sollen Hirten sein, und sollen nicht mehr selbst weiden. Ich will meine Schafe erretten aus ihrem Maul, daß sie sie forthin nicht mehr fressen sollen. Luc. 6. sagt Christus, daß der Blinde und der Blindenleiter alle beide werden in die Grube fallen. Maleachi spricht Cap. 2.: Der Herr wird ausrotten den, der solches thut, aus der Hütte Jakobs, beide Meister und Schüler. Und Jes. 9.: Die Leiter dieses Volks sind Verführer, und die sich leiten lassen, sind verloren. Also ist auch ein Prediger in diesem Stück aufrichtig und treu zu sein