# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Mai 1855_S158 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 158 Excerpte als Beiträge zur pastoralen Casuistik. mahnen solle. Matth. 18. schreibt der HErr JEsus Christus deshalb eine sonderliche Regel vor, daß man einen sündigen Menschen erstlich allein, darnach selbst ander oder selbst dritte ermahnen und aus seinem Falle zu gewinnen suchen solle. Auch schreibt der heil. Apostel Paulus Gal. 6: So ein Mensch etwa von einem Fehler übereilt würde, so helft ihm wieder zurecht mit sanftmüthigem Geiste, die ihr geistlich seid. Dasselbe so viel mehr anzuweisen, hat uns der heil. Geist in göttlicher Schrift hiervon scheinbare Exempel aufgezeichnet, welche diesen göttlichen Willen und des Predigers Gebühr bestätigen. Zuvörderst ist bekannt, Luc. 22., was Christus, der eingeborne Sohn Gottes selbst, um den einigen Petrus in seiner höchsten Marter gethan hat, da er all sein Leiden bei Seite gesetzt und sich nach diesem gefallenen Sünder umgewandt, ihn ganz beweglich angesehen und ihn zu seiner Bekehrung gewonnen. Desgleichen hat er nach seiner sieghaften Auferstehung an Thomas dem ungläubigen gethan, Joh. 20., da er sichs auch nicht hat lassen zu viel sein, um seinetwillen noch einmal besonders in der Jünger Versammlung zu erscheinen und ihm allein seine Wunden- und Nägelmale zu zeigen. Er vergleicht sich deshalb Luc. 15., (seinen Jüngern und allen ihren Nachfolgern im Predigtamte ein klares Vorbild zu lassen), einem solchen getreuen Hirten, der auch einem einigen Schäflein in die Wüste folge und es suche, bis er es finde. So lesen wir 2. Sam. 12. von Nathan dem Propheten, daß er auf Gottes Befehl dem Einen David nachgegangen sei und ihn mit Fleiß aus seinen Sünden gesucht habe. Desgleichen zeigt Paulus an von seinem Fleiß Apostg. 20. und sagt: Gedenket daran, daß ich nicht abgelassen habe drei Jahre, Tag und Nacht, einen jeglichen mit Thränen zu vermahnen. Was nun hierinnen geschrieben ist, ist allen, die im heil. Predigtamte leben, zur Lehre und Nachfolge geschrieben, Röm. 5, 10., daß sie eben so wenig einen einzigen Sünder, den sie kennen und wissen, sollen in der Irre stecken und umkommen lassen, sondern mit bestem und äußerstem Fleiß das Ihre thun, daß er möge errettet werden. Die Prediger sind Botschafter an Christi Statt, 2. Cor. 5., daß desselben Name vornehmlich durch ihr Amt gepriesen werde, 2. Thess. 1. Wie kann es denn anders sein, als daß sie mit höchstem Fleiß und äußerster Sorgfältigkeit über eine jede Seele wachen und derselben mit allem, was an ihnen ist, nachgehen, weil der Herr Christus um einer einigen Seele willen, und insonderheit um derselbigen Seele willen, von der jetzt die Frage fällt oder die künftig, zu welcher Zeit und an welchem Ort es auch sein möchte, fallen könnte, so viel gethan und sie gar theuer erkauft hat; ja, für die Eine Seele so viel gethan und sie so theuer erkauft hat, als er für alle Seelen des ganzen menschlichen Geschlechts gethan und so theuer er dieselben erkauft hat. Zudem weiß der Prediger, daß er sowohl für jede Person seiner Gemeinde, als für die ganze Kirche von Gott bestellt ist und derhalben dieser Gefallene in seine Pflege, Aufsicht und Seelsorge nicht allein unter den großen Haufen, sondern auch für sich insonderheit gehöret, und daß er derhalben seinen