# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1846 06 13_S84 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) nicht allein darum, weil es Christus den Aposteln befohlen hat und mit und in ihnen seiner ganzen Kirche, deren erste Glieder sie ausmachten und wovon sie so zu sagen der erste Stamm waren? denen daher auch Christus bei seinem Abschiede den gemessenen Befehl gab: „Lehret alle Völker — — und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe“? Zweifelt nun darum niemand daran, daß man noch jetzt predigen, taufen und das hochwürdige Sacrament des Altars verwalten könne und solle, weil dies den Jüngern geboten war, welcher Grund ist es denn, der uns zwingt, bei der Sündenvergebung und-Behaltung eine Ausnahme zu machen? Ja, denken manche, dazu gehört eine Heiligkeit, die allein die Apostel besaßen. Aber man irrt sich; auch die heil. Apostel waren Sünder und blieben Sünder, wie sie selbst deutlich bekennen. Ja, käme es auf die Heiligkeit dessen an, der die Absolution spricht, so wäre kein Heiliger in der Welt, ja kein Engel heilig genug dazu. Trostlos, fürwahr höchst trostlos wäre die Vergebung, die auf Menschenheiligkeit oder auch auf die Heiligkeit eines Engels sich gründete. Dieses erkennen andere wohl; daher sprechen sie, die Jünger hatten das Vorrecht, Sündenvergebung ertheilen zu können, freilich nicht darum, weil sie heiliger waren, als andere Menschen, sondern weil sie allein im Stande waren, zu wissen, wem sie die Sünde vergeben und wem sie sie behalten könnten und sollten; diese Gabe hat aber jetzt niemand mehr. Aber, meine Lieben, auch dies ist ein Irrthum. Auch die heil. Apostel konnten getäuscht werden, und sie sind z. B. von dem Zauberer Simon, von Ananias und Sapphira und andern Heuchlern eine Zeitlang getäuscht worden. Auch die Apostel waren keine Herzenskündiger; nur JEsus Christus bedurfte nicht, daß jemand Zeugniß gäbe von einem Menschen; er wußte wohl, wie Johannes spricht, was im Menschen war, und sah ihre Gedanken schon von ferne. Es ist also auch dieses unwahr, daß die Apostel darum den Vorzug gehabt hätten, Sünden vergeben und behalten zu können, weil sie so erleuchtet gewesen wären, daß sie jedem Menschen hätten in das Herz sehen können. Das, wodurch die Apostel von allen andern Christen unterschieden waren, bestand aber darin, daß sie sich in der Predigt des Evangeliums nicht irren, und ihre Lehren mit Wundern und Weissagungen bestätigen konnten; ferner, daß sie nicht mittelbar durch Menschen, sondern unmittelbar von dem Sohne Gottes selbst zu seinen Boten berufen und mit ihrem Predigtamt an keinen Ort der Welt gebunden, sondern unter alle Völker des Erdbodens gesendet worden waren. Christus blies zwar nach unserm Texte die Jünger vor Uebergabe des Amtes der Schlüssel mit den Worten an: „Nehmet hin den heil. Geist.“ Wir dürfen aber hieraus nicht den Schluß ziehen, als seien zu Verwaltung jenes Amtes die außerordentlichen apostolischen Gaben nöthig. Christus theilte in diesem Augenblicke den Jüngern keinesweges die Wundergaben des heil. Geistes mit, denn dies geschah am Pfingsttage; hiermit gab ihnen der HErr vielmehr nur den Geist der Freudigkeit und des Muthes, der ihnen zur Ausrichtung ihres schweren Amtes so nöthig war, und diesen Geist gießt er auch jetzt über alle seine treuen Diener aus.*) *) In dem Büchlein von der Beichte (1521 auf der Wartburg geschrieben) zeigt Luther noch einen andern Grund an, warum Christus zu den heil. Aposteln bei Ueberantwortung der Schlüssel sprach: „Nehmet hin den heil. Geist.“ Er schreibt: „Hie ist beschlossen, daß Niemand die Sünde vergeben kann, er habe denn den heil. Geist. — Doch wiederum, sollte ich nicht eher Vergebung haben meiner Sünde, der Beichtvater hätte denn den heil. Geist, (und niemand mag gewiß sein von dem andern, ob er denselben habe,) wenn würde ich meiner Absolution gewiß? ... Antwort: ... Niemand bindet oder vergibt Sünde, denn allein, der den heil. Geist so gewiß habe, daß du und ich's wissen ... Das ist aber niemand, denn die christliche Kirche, d. i., die Versammlung aller Gläubigen Christi; die hat allein diese Schlüssel, da sollst du nicht an zweifeln. Und wer ihm darüber die Schlüssel zueignet, der ist ein rechter abgefeimter Sacrilegus, Kirchenräuber, es sei der Pabst oder wer es wolle. ... Darum soll niemand eine Absolution vom Pabst oder Bischof empfangen, als sind sie es, die da absolviren. Behüte Gott für des Pabsts und Bischöfen Absolution, der jetzt die Welt voll ist. Es sind des Teufels Absolution. Aber ... wenn ein Stein oder Holz mich könnte absolviren im Namen der christl. Kirchen, wollte ich's annehmen.“ S. L. W. XIX, 1051. Worauf beruht sonach die Meinung, daß mit den Aposteln das Amt der Schlüssel ausgestorben sei? Sie beruht allein auf menschlichem Wähnen und Denken, und ermangelt alles Grundes der heil. Schrift. Wohl aber finden wir darin klare und deutliche Gründe für das Gegentheil. Erstlich spricht Christus, wie schon erwähnt: „Lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe,“ und sodann sagt er ausdrücklich: „Also ist es geschrieben, und also mußte Christus leiden, und auferstehen von den Todten am dritten Tage, und predigen lassen in seinem Namen Buße und Vergebung der Sünden unter allen Völkern.“ Luc. 24, 46. 47. So gewiß es nun ist, daß Christus hiermit einen Befehl, nicht nur für die apostolische, sondern für alle Zeiten gegeben hat, Buße und Vergebung der Sünden zu predigen, so gewiß ist es, daß er die Macht zu absolviren auch für alle Zeiten gegeben habe. Denn was ist die Absolution anders, als die Anwendung der Predigt von der Gnade Christi auf einen oder mehrere besondere Personen? Und was ist hinwiederum die Predigt des Evangeliums anderes, als eine immerwährende Absolution aller Bußfertigen? Und was thut insonderheit der, welcher einen anderen tauft, anderes, als daß er zu ihm sagt: Deine Sünden sind dir vergeben, Gott nimmt dich auf in seinen Gnadenbund, du bist nun Gottes Kind, du wirst nun selig? Was thut ferner der, welcher einem andern das heil. Abendmahl reicht, anderes, als daß er zu ihm sagt: Auch du hast Theil an Christo, an seinem Opfer, an seiner Versöhnung? Sind also die Sacramente nicht ganz offenbare Absolutionen, d. h., wird in den Sacramenten die Gnade des Evangeliums nicht auch einzelnen und besonderen Personen, die es begehren, angeboten, geschenkt und versiegelt? Ist es daher nicht ein offenbarer Widerspruch, zu behaupten, jetzt hätten wir wohl noch Macht, zu taufen und zu communiciren, aber nicht mehr Macht, zu absolviren? Ist, wenn man einen Vergleich anstellen wollte, nicht eher Taufe und Abendmahl etwas noch Höheres, noch Größeres, als die Absolution? Wer daher spricht: Wie darf sich ein Mensch unterstehen, Sünden vergeben zu wollen! der muß nach nothwendiger Schlußfolge noch viel mehr sagen: Wie darf sich ein Mensch unterstehen, zu taufen, und damit jemanden in den Himmel tragen zu wollen! oder das heil. Abendmahl zu verwalten, und damit das Opfer des Sohnes Gottes, ja seinen Leib und sein Blut selbst austheilen zu wollen! O, laßt euch darum durch das leere Geschwätz der Ungläubigen nicht irren. So gewiß Christus seine Kirche nicht für die apostolische Zeit, sondern für alle Zeiten gestiftet und sein Evangelium allen Völkern gegeben hat, so gewiß ist noch jetzt die Macht da, auf Erden Sünden zu vergeben und zu behalten. So gewiß Christus bei den Seinen bleiben und sie nicht verlassen will bis an das Ende der Tage, und so gewiß die Kraft seines Todes und seiner Auferstehung sich über alle Sünder erstreckt, so gewiß kann noch jetzt im Namen und in der Kraft JEsu Christi den Sündern, die da glauben, der Trost gegeben werden: „Eure Sünden sind euch vergeben.“ Die Kirche Christi ist und bleibt ein Himmelreich auf Erden, in welchem die Himmelsleitern des Evangeliums, der heil. Sacramente und der Absolution aufgestellt sind, an denen alle Sünder zum Himmel aufsteigen können. Wohl haben die Wundergaben des heil. Geistes aufgehört, welche nöthig waren, damit die Abschaffung des alten göttlichen Bundes und die Aufrichtung des Neuen, göttliche Siegel hätte; nachdem aber hierauf über den Gräbern der Apostel die Kirche des N. T. festgegründet stand, so bedurfte es nun keiner Wundergaben mehr; aber die Gaben und Mittel des heil. Geistes zur Seligkeit, zur Gnade und Vergebung der Sünde, bleiben, so gewiß das Gnadenreich der Kirche auch von den Pforten der Hölle nicht überwältiget werden kann.“ — — (Schluß folgt.) Gottes Wort und menschlicher Friede. Ist es nicht, schreibt Luther, viel tausendmal besser, daß man behalte Gotteswort, denn daß man das Wort verlasse, den Frieden behalte, obschon, also so zu sagen, der Friede himmlisch wäre? Was soll ich viel sagen? ich wünsche mir ohne Gottes Wort auch nicht im Paradies zu leben, aber mit dem Worte ist leicht auch in der Hölle zu leben, wie wir denn in dieser Welt als in der Hölle leben, und trösten uns aller dieser Hoffnung, die uns Gotteswort anzeigt, und durch diese Hoffnung überwinden wir allerlei Creuz und Unglück. Zwar es wäre wohl zu wünschen, daß keine Unruhe wäre; so aber dies nicht mag erlangt werden, so ist es besser, es erheben sich tausend Wiedertäufer, tausend Sacramentirer, tausend Aufrührische, denn daß zumal in allen Kirchen eine einhellige, friedliche, jedoch falsche und unsaubere Lehre sei. (Ueber Ps. 120, 7.) Antiquargeschäft. Der Unterzeichnete erlaubt sich hierdurch, Liebhabern älterer lutherischer Erbauungs- und anderer Bücher, die Anzeige zu machen, daß er eine nicht unbedeutende Sammlung von dergleichen Schriften in seinem Lokale zu möglichst billigen Preisen ausgestellt hat. St. Louis, 9. Juni, F. W. Barthel, 1846. südl. 2te Straße No. 52, unmittelbar neben Hr. Tschirpe's Apotheke. Hier können auch die durch den Herausgeber bestellten Exemplare der Hauspostille Luthers in Empfang genommen werden. D. H. Gedruckt bei Weber und Olshausen.