# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Mai 1855_S156 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 156 Excerpte als Beiträge zur pastoralen Casuistik. letztere ist ganz besonders wichtig für unsere Verhältnisse, weil Dr. Luther darin gar ernstlich warnt, daß man nicht (um Verwandtschaft oder Freundschaft willen) lose Leute zu Gevattern wähle, die nicht im rechten Glauben stehen, Gottes Wort nicht hören und bei der Taufe nicht ernstlich mitbeten, sondern feine, sittige, ernste, fromme Gevattern. So viel von der ursprünglichen Gestalt des kleinen Katechismus und den spätern Abweichungen davon. Endlich darf nicht unerwähnt bleiben, daß Lic. Schneider diese Ausgabe des kleinen Katechismus als Vorläuferin einer kritischen Gesammtausgabe von Luthers Werken bezeichnet, wobei er in der Kürze die Grundsätze angiebt, nach welchen er verfahren will und an deren Vorarbeiten er schon seit Jahren thätig gewesen ist. Das Ziel dieser Ausgabe soll dies sein: Luther in seiner Entwickelung als Reformator der deutschen Kirche aus seinen eignen Schriften kennen zu lernen. Diesem hochwichtigen Unternehmen ist um so mehr die baldige Ausführung zu wünschen, je stärker unter den Lutheranern das Verlangen wird, zu Luthers Lehre und Lehrweise zurückzukehren und je unverkennbarer der geehrte Verfasser die zu einer solchen mühevollen Arbeit erforderliche Freudigkeit und Tüchtigkeit besitzt. Zum Beschluß will ich noch auf das nachdrückliche Zeugniß aufmerksam machen, was derselbe im vorigen Jahrgange seiner Deutschen Zeitschrift, für das Studium Dr. Luthers abgelegt hat: „Es ist wahrhaft beklagenswerth, daß so wenige Prediger im Besitze einer vollständigen Ausgabe von Luthers Werken sind, daß unser Luther so wenig studiert wird. Daher kommt es, daß so viele, die sich für ächte und ächteste Lutheraner halten, die nur den Namen und Rock eines solchen und nichts weiter an sich tragen. Ein tüchtiger evangelischer Pastor ist aber der nicht, der nächst der heiligen Schrift nicht auch Luthers Schriften sein täglich Brod sein läßt.“ Excerpte als Beiträge zur pastoralen Casuistik. Die Privatseelsorge betreffend. „Ob ein Prediger schuldig sei, seine trägen Pfarr= und Beichtkinder, wenn sie sich vom hochwürdigen Nachtmahl enthalten und unbußfertig in ihren Sünden dahin leben, einen jeden einzelnen und insonderheit zu vermahnen, oder ob es an dem, was auf der Kanzel geschieht, genug sei?“ — Antwort von Dr. Simon Musäus: Wenig Leute auf Erden bedenken recht, was das heil. Predigtamt für ein schweres Amt sei; ja, viele Prediger betrachten es selber nicht so, als es ihnen wohl gebührte. Wenn man aber ein wenig bei sich erwägt, was ihnen Gott für hohe Schätze vertraut und befohlen hat, als, seines göttlichen Na-