# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Mai 1855_S154 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 154 Ueber die ursprüngliche Gestalt des kleinen Katechismus ꝛc. Zuhörer und neben den für die Obrigkeiten auch solche für die Unterthanen. Wir können uns nur freuen und Gott danken, daß wir jetzt durch Dr. Luthers Dienst eine vollständige Haustafel besitzen zu Nutz und Frommen aller Katechismusschüler in Haus, Schule und Kirche, denn Luther will, daß auch darüber gepredigt werde. (Walch XXI, 1359 und 1191). Kurz und kräftig redet Dr. Luther von diesen drei heiligen Ständen und zwar im Gegensatz gegen der selbstverwählten bei den Römisch=Katholischen also: „Aber die heiligen Orden und Stifte von Gott eingesetzt, sind diese drei: Das Priesteramt, der Ehestand, die weltliche Obrigkeit. Alle die so im Pfarramt oder Dienst des Worts erfunden werden, sind in einem heiligen, rechten, guten, Gott angenehmen Orden und Stand, als die da predigen, Sacrament reichen, dem gemeinen Kasten vorstehen, Küster und Boten oder Knechte, so solchen Personen dienen ꝛc., solches sind eitel heilige Werke vor Gott. Also wer Vater und Mutter ist, sein Haus wohl regiert und Kinder zeucht zum Gottesdienst, ist auch eitel Heiligthum und heilige Werk und Orden. Desgleichen wo Kinder oder Gesind den Eltern oder Herren gehorsam sind, ist auch eitel Heiligthum und wer darin funden wird, der ist ein lebendiger Heiliger auf Erden. Also auch Fürst und Oberherr, Richter, Amtleute, Kanzler, Schreiber, Knechte, Mägde und alle, die solchen dienen, dazu alle, die unterthäniglich gehorsam sind, ist alle eitel Heiligthum und heilig Leben vor Gott. Und das darum, daß solche drei Stifte oder Orden in Gottes Wort und Gebot gefasset sind. Was aber in Gottes Wort gefasset ist, das muß heilig Ding sein, denn Gottes Wort ist heilig und heiliget alles, das an ihm und in ihm ist. Ueber diese drei Stifte und Orden ist nun der gemeine Orden der christlichen Liebe, darinnen man nicht allein den dreien Orden, sondern auch in gemein einem jeglichen Dürftigen mit allerlei Wohlthat dienet, als speisen die Hungrigen, tränken die Durstigen ꝛc., vergeben den Feinden, bitten für alle Menschen auf Erden, leiden allerlei Böses auf Erden ꝛc. Siehe, das heißen alles eitel gute heilige Werk. Dennoch ist keiner solcher Orden ein Weg zur Seligkeit, sondern bleibet der einige Weg über diese alle, nämlich der Glaube an Jesum Christum.“ (Walch XX, 1378 fl.) Die christlichen Fragstücke sind, so viel man bis jetzt weiß, bei Dr. Luthers Lebzeiten nicht gedruckt worden. Sie finden sich zuerst in einer Wittenberger Ausgabe des kleinen Katechismus vom Jahre 1551. Im Jahre 1564 hat sie Matthäus Judex als ein Supplement zu Luthers Schriften in seiner Summa der christlichen Lehre unter dem Titel geliefert: „Etliche christliche Fragstücke, mit ihren Antworten, für die, so zum Sacrament gehen wollen, auf das einfältigste der Kirchen Christi, zu Lemberg erstlich zugestellet durch Dr. Martin Luthern.“ Chr. Walther, der langjährige Corrector in der Luft’schen Druckerei zu Wittenberg, sagt in seiner Vertheidigung gegen Aurifabers Vorwürfe wegen