# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Mai 1855_S151 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Ueber die ursprüngliche Gestalt des kleinen Katechismus ꝛc. 151 Herr, dein Gott, bin ein eiferiger Gott“; das Wort „starker“ setzt zuerst die Ausgabe von 1599 hinzu. In der Auslegung des zweiten Artikels heißt es in allen frühern Ausgaben: „erlöset hat, erworben, gewonnen, und von allen sünden“; dagegen hat das Concordienbuch: „erlöset hat, erworben und gewonnen von allen Sünden“, wodurch wie Lic. Schneider bemerkt, der kraftvolle Ausdruck des Originals nur abgeschwächt wird. Die meisten späteren Catechismen lassen das „und“ ganz weg und haben den ganz willkührlichen Text: „erlöset, erworben, gewonnen, von allen Sünden“ ꝛc. Die sogenannte Vorrede des Vaterunsers so wie die Auslegung fehlt in der ersten Ausgabe des kleinen Katechismus; beides steht zuerst in der Ausgabe von 1531. In der Auslegung der ersten Bitte heißt es ursprünglich: „das (oder dazu) hilf uns lieber Vater im Himmel“; dagegen hat das Concordienbuch (aus Mißverstand der Sprache Luthers): „Das hilf uns“. Die zweite Bitte lautet durchgängig so: „Dein Reich komme“ was jetzt gewöhnlich verändert wird in: „zukomme dein Reich“, oder: „in uns komme dein Reich“. Bei der Auslegung der vierten Bitte ist zu bemerken, daß Dr. Luther in seiner Schrift über das Vater Unser vom Jahre 1518 *) das Brod noch geistlich auf das Wort Gottes deutet, namentlich wegen des Wörtleins „unser“, daß wir nämlich nicht das gemeine Brod bitten, daß auch die Heiden essen und Gott allen Menschen ungebeten giebt, sondern unser Brod die wir Kinder sind des himmlischen Vaters.“ (Walch VII, 1189.) Nach dem Jahre 1522 aber bleibt Dr. Luther bei der richtigen Deutung von dem leiblichen Brode, wie sich dieselbe merkwürdiger Weise schon in den Weißenburger Catechismus aus dem neunten Jahrhundert findet. Die fünfte Bitte lautet ursprünglich: „und verlasse uns unser Schuld, als wir verlassen unsern Schuldigern.“ Die siebente Bitte heißt: „sondern erlöse uns von dem Uebel“, obgleich Dr. Luther in seinem großen Katechismus sagt: „Im Griechischen lautet das Stücklein also: „Erlöse odder behüte uns vor dem Argen odder Boshaftigen, und siehet eben als rede er vom Teufel“; allein Dr. Luther wollte, um das Volk nicht irre zu machen, das bis dahin gebräuchliche Wort nicht mit einem andern wenn auch richtigern vertauschen; erst von dem Jahre 1584 an findet sich in einigen Katechismen: „von dem Bösen.“ Aus eben dem Grunde ließ Dr. Luther den Beschluß oder die Doxologie: „Denn Dein ist das Reich“ ꝛc. weg; denn diese Worte wurden nicht dem Vater Unser hinzugefügt, wovon wir noch ein Ueberbleibsel in den alten Abendmahlsliturgien haben, nach welchen der Pfarrer das Vater Unser bloß bis zu den Worten singt: erlöse uns von dem Uebel. Jene Worte hat Dr. *) Dieß ist der Traktat, den die New Yorker Traktatgesellschaft verbreitet, unter dem Namen Eine der wenigen Schriften, die von Luther verfaßt sind.