# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Mai 1855_S149 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Ueber die ursprüngliche Gestalt des kleinen Katechismus ꝛc. 149 seinem Gesinde lehren soll.“ Demnach hat Dr. Luther seinen kleinen Katechismus für Pfarrherren und Hausherren bestimmt, wie ihn ja auch laut seiner Vorrede die große Unwissenheit beider Stände zur Abfassung des Katechismus gedrungen hatte; daß er aber auf dem Titel bloß die Pfarrherren und Prediger erwähnt, hat wohl darin seinen Grund, weil das Predigtamt den Hausstand unterweisen soll. Schon die zweite Ausgabe, die wenige Monate nach der ersten erschien, hat auf dem Titel die Bemerkung: „Gemehrt und gebessert.“ Die hinzugekommenen Stücke waren: Die Vorrede, der Morgen- und Abendsegen, die Haustafel und eine kurze Weise zu beichten. In dieser Gestalt blieb nun der Katechismus in allen Hauptsachen dreizehn Jahre lang bis zum Jahre 1542, in welchem Dr. Luther ihn zum letzten Mal verbessert hat, wie die Bemerkung auf dem Titel zeigt: „Aufs Neue übersehen und zugericht.“ Diese Ausgabe ist nächst der von 1531, welche Lic. Schneider zum Grunde gelegt hat, die wichtigste für die Herstellung des Textes. Die Vorrede zum kleinen Katechismus steht wie oben erwähnt, erst in der zweiten Ausgabe, von ihrer hohen Vortrefflichkeit soll hier nichts gesagt werden, wohl aber von der geringen Anerkennung derselben, die eine genaue Nachfrage zeigt, daß die Meisten diese Vorrede gar nicht oder doch nicht mit der gehörigen Aufmerksamkeit gelesen haben; dasselbe gilt von der Vorrede Dr. Luthers zu seinem großen Katechismus. Ich kam daher auf den Gedanken, beide Vorreden als Einleitung zu den Katechismuspredigten Wort für Wort vorzulesen und kurz zu erklären. *) Es soll hier nur von dem ursprünglichen Text einer Stelle in der Vorrede zum kleinen Katechismus die Rede sein. Sie lautet so: „Wer das Sacrament nicht sucht noch begerd, zum wenigsten ein mal odder vier des Jars, da ist zu besorgen, das er das Sacrament verachte und kein Christen sei.“ Damit soll nun keinesweges gesagt werden, daß es einerlei sei, ob ein Christ des Jahrs einmal oder viermal zum heiligen Abendmahl gehe, denn ersteres wäre dem Worte Christi „oft“ ganz zuwider; durch letzteres aber nämlich viermal, will Dr. Luther andeuten, was unter dem Wörtlein „oft“ zu verstehen sei, wie auch der Beisatz: „zum wenigsten“ lehrt. Es soll also offenbar so viel heißen als einmaler viere (ungefähr viermal), wie dieß auch in mehreren neuen Ausgaben gleichsam als Glosse steht und zwar anstatt jener ursprünglichen Textworte. *) Ich that dieß mit der Vorrede zum großen Katechismus nach folgender Disposition: Warum dringt Dr. Luther so gewaltig auf die tägliche Uebung des Katechismus? 1. wegen des tiefen Verfalls dieser Uebung; 2. wegen des vielfachen Nutzens derselben und 3. wegen des Gebotes Gottes, das uns dazu treiben soll. Bei der Vorrede zum kleinen Katechismus zeigte ich, wie der Katechismus mit Nutzen geübt werden solle, nämlich: 1. den Text, 2. die Auslegung, 3. die weitere Erklärung im großen Katechismus. Anhang: die Einschärfung des vierten Gebots und die Ermahnung zum fleißigen Gebrauch des heiligen Abendmahls.