# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Mai 1855_S148 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 148 Ueber die ursprüngliche Gestalt des kleinen Katechismus ꝛc. bens nur deßhalb Rechtfertigung durch die Werke, weil er so die faulen Christen am siegreichsten überführen, am tiefsten beschämen, am nachdrücklichsten zurückweisen konnte; das Bedenken endlich, er möchte mit dem Ausdrucke „Rechtfertigung durch die Werke“ wider die Form der gesunden Worte verstoßen, konnte ihm gar nicht kommen, da die Beschränkung des Wortes „Rechtfertigung“ im christlichen Unterricht auf die Lehre vom Glauben erst später eintrat, als diese Lehre unter dem Gegensatz der Werklehren die feste, auch im Ausdruck abgeschlossene Form des kirchlichen Glaubenssatzes erhielt. Diesem Ergebniß unserer Auslegung von Jakobi 2, 20-26 widerspricht der übrige Inhalt des Briefes mit keinem Worte, wenn auch solche Aussprüche wie Cap. 1, 25 uns veranlassen, der Lehre des Jakobus von Gesetz und Evangelium nachzuforschen. Für unsere Auslegung zeugt durchaus das Verhalten des Jakobus auf der Versammlung der Apostel und Aeltesten in Jerusalem; Apostelgesch. 15. Für das, was diejenigen, welche von Jakobus kamen, in Antiochien thaten Gal. 2, 12, ist er so wenig verantwortlich wie Paulus für die Worte und Werke derer in Corinth, die sich Paulisch nannten. Eigenthümlich ist seine Lehrweise, sie ist eben die des Jakobus, wie Paulus, Johannes und die anderen heiligen Schriftsteller ihre eigenthümliche Lehrweise haben; auch mußte ja wohl seine Rede ganz anders als die des Paulus klingen, da er Leute anredet, die das gerade Gegentheil von denen waren, an welche Paulus z. B. in den Briefen an die Römer oder Galater schreibt. Allein verschiedene Lehrweise und verschiedener Ton der Predigt in der Kirche stört nimmer die Uebereinstimmung des Glaubens und der Lehre, muß vielmehr unter Gottes wunderbarer Regierung dazu dienen, daß alle Saiten des göttlichen Wortes zusammenklingen zum himmlischen Wohlklang des Evangeliums. (Eingesandt von Pastor Keyl.) Ueber die ursprüngliche Gestalt des kleinen Katechismus Dr. Luthers. (Fortsetzung und Schluß.) Der erste Theil dieses Aufsatzes handelt von der Geschichte des kleinen Katechismus, der zweite soll nun eine Vergleichung der ursprünglichen Gestalt desselben mit den spätern Ausgaben enthalten. Der Titel der ersten Ausgabe bestimmte den kleinen Katechismus für die christlichen Hausväter zur Unterweisung ihres Gesindes, allein schon bei der zweiten Ausgabe, die noch in demselben Jahre (1529) erschien, findet sich die Ueberschrift: Enchiridion (Handbüchlein) und die Angabe, daß dasselbe für die Pfarrherren und Prediger bestimmt sei und diesen Titel führen auch alle folgende Ausgaben; die Ueberschriften der einzelnen Stücke aber lauten von der ersten Ausgabe an durchgängig also: „Wie ein Hausvater dasselbige