# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Mai 1855_S146 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 146 Des Jakobus Lehre vom rechtfertigenden Glauben. druck des am Abraham Gezeigten verstärken wollte. V. 26 schließt die ganze Rede ab mit der Erklärung, daß der V. 17 ausgesprochene Grundsatz, dessen Beweis Jakobus zu liefern versprach (V. 20), nun wirklich bewiesen sei. Sie wüßten nun, meint Jakobus, daß der Glaube ohne Werke todt sei. Diesen Tod aber stellt er noch einmal unter dem allerstärksten Bilde dar, welches er überhaupt in dieser ganzen Abhandlung gebraucht. Der Glaube ohne Werke ist gleich dem Leibe ohne Geist, also mit allen Anlagen zu lebendiger Bezeugung seines Wesens ähnlich wie der Leib, ist er, wenn ohne Werke, dem Leichnam gleich, Gott und Menschen ein Gräuel. Ist der Glaube nicht durch die Liebe thätig, so ist er auch nicht der rechtfertigende Glaube, denn dieser offenbart sich allzeit in guten Werken; darfst du aber deinen Glauben nicht den rechtfertigenden nennen, so bekenne nur, daß er todt ist. Das hat Jakobus unwiderleglich bewiesen und damit den V. 20 angegebenen Zweck seiner Rede erreicht. Allein darin stimmt Jakobus nicht mit den andern heil. Schriftstellern, daß er die Bewährung des rechtfertigenden Glaubens in guten Werken Rechtfertigung durch die Werke nennt. Der Sprachgebrauch freilich erlaubt es ihm, da „gerecht erklären“ oder „rechtfertigen“ in Verbindung gebracht werden kann mit Allem, was Jemandes Gerechtigkeit bezeugt. Auch vermögen wir recht wohl einzusehen, weßhalb Jakobus gerade von den Werken in den Ausdrücken spricht, welche besonders Paulus bei der Darstellung der Rechtfertigung durch den Glauben wählt. Nicht wider die Lehre des Paulus wendet er sich damit, sondern wider die Maulchristen, welche das Wort Gottes von der Rechtfertigung durch den Glauben mißbrauchten zum Ruhekissen ihrer unbekehrten Herzen und zur Beschönigung ihres ungöttlichen Wandels. Sie zu beschämen, sie des schändlichen Mißbrauchs, den sie mit dem Hauptartikel der ganzen christlichen Lehre trieben, zu überführen, bedurfte es eindringlicher Worte der Art, daß sie dieselben auf sich selbst anzuwenden genöthigt wurden; denn Leute, die mit dem Worte Gottes ihr sündliches Leben entschuldigen, sind verstockter als Heiden oder leichtsinnige Sünder. Daher gleichwie wir eine niederträchtige Behauptung oder gemeine Entschuldigung auch wohl mit denselben Worten widerlegen, in welchen sie ausgesprochen wurde, so schleudert gleichsam Jakobus den leeren oder faulen Christen ihre eignen Worte, in welchen sie sich die Rechtfertigung durch den Glauben mißbräuchlich anmaßen, wieder ins Angesicht. „Unser Glaube ist nicht todt, wir sind durch ihn gerechtfertigt,“ sagen etwa die faulen Christen; Ihr gerechtfertigt durch den Glauben? erwidert Jakobus: ich sage euch, werdet ihr nicht durch die Werke gerechtfertigt, so seid ihr auch nicht durch den Glauben gerechtfertigt. Gewählt also, um der faulen Christen seelenmörderischen Wahn schnell und sicher zu zerstören, ist diese Ausdrucksweise nicht im entferntesten für den Unterricht in der christlichen Glaubenslehre bestimmt, als ob wir etwa die Bewährung des rechtfertigenden Glaubens in guten Werken fortan eine Rechtfertigung durch die Werke nennen dürften. Paulus bezeichnet einmal Röm. 3, 2 das Evange-