# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Mai 1855_S145 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Des Jakobus Lehre vom rechtfertigenden Glauben. 145 b. Beide sind ferner unterschieden in dem, worauf das rechtfertigende Urtheil oder Erklärung sich gründet. Bei der Rechtfertigung durch den Glauben gründet es sich eben auf den Glauben, nicht etwa weil er selbst ein Werk oder Anfang und Ursprung guter Werke ist, sondern weil er die vor Gott geltende Gerechtigkeit Christi ergreift; dagegen bilden den Grund des Urtheils bei der Rechtfertigung durch die Werke eben die Werke, nicht etwa weil sie selbst eine Gerechtigkeit wären, die vor Gott gelten könnten, sondern weil sie Früchte des rechtfertigenden Glaubens sind. Jakobus also denkt nicht daran, daß die Werke des Gläubigen irgendwie für ein Verdienst gelten sollten, um die Rechtfertigung durch den Glauben zu bewirken; ihm fällt es nicht ein, beide Rechtfertigungen mit einander zu vermischen. Ein dritter Unterschied beider wäre dieser, daß die eine Grund, die andere Folge ist, allein damit wird auch zugleich 2. der Zusammenhang beider ausgesprochen. Aus der Rechtfertigung durch den Glauben folgt die Rechtfertigung durch die Werke, wie vom guten Baume gute Frucht kommt. Bist du durch den Glauben gerechtfertigt, so wirst du durch deine Werke gerechtfertigt werden, das heißt, dein Wandel wird von der Art sein, daß dir auf Grund desselben das Zeugniß gegeben wird, du habest den Glauben und dein Glaube sei dir zur Gerechtigkeit gerechnet. Umgekehrt, zeugen nicht deine Werke davon, daß du den rechtfertigenden Glauben hast, so maße dir auch nicht an, ihn zu haben; was du dann deinen Glauben nennst, ist ein todtes Fürwahrhalten. So wenig wie bei Abraham, so wenig ist bei anderen Kindern Gottes der rechtfertigende Glaube ohne die Frucht der guten Werke geblieben. Bringt er es nicht zu solcher Frucht, welche Jakobus die Rechtfertigung durch die Werke nennt, so bleibt er unvollständig und stirbt ab; erst in ihr gelangt er zu vollständigem Wesen und Bestande, denn durch die Liebe thätig zu sein, gehört eben so wohl zu seinem Wesen, wie es zum Wesen des Grundes überhaupt gehört, eine Folge zu haben; Gal. 5, 6. In Uebereinstimmung mit Paulus und der ganzen übrigen Heiligen Schrift verkündet Jakobus die uralte Predigt 1 Mose 15, 6, daß Gott den armen Sünder, der die Verheißung oder das Evangelium im Glauben annimmt, um dieses Glaubens willen losspricht, ihn für gerecht erklärt, ihm die Sünde vergiebt. Wenn er alsdann mit großem Ernste hervorhebt, daß es zum Wesen dieses Glaubens gehört, durch die Liebe thätig zu sein, so thut er das ebenfalls in vollster Uebereinstimmung mit der ganzen übrigen Heiligen Schrift. Die Aufgabe also, welche wir in der Ueberschrift dieses Aufsatzes gestellt haben, wäre damit gelöst. Die Verse 25 und 26 fügen nichts hinzu, was unsere Auslegung irgendwie in Frage stellte oder bekräftigte. Das Beispiel der Rahab, welches V. 25 vorgeführt wird, ist offenbar nur hinzugefügt, weil wie Hebr. 11, 31 zeigt, an ihr der Glaube gerühmt wurde, obwohl sie eben eine Hure heißt, und daher die faulen Christen sich auf sie beriefen, oder weil Jakobus noch mit einem anderen bekannten Glaubensbeispiel den Ein- 10