# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Mai 1855_S139 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Lutherisch=theologische Pfarrers=Bibliothek. 139 Kenntniß er vielleicht von keinem anderen Theologen übertroffen worden ist) erst in Wittenberg, sodann in Leipzig, und starb endlich als Superintendent zu Lübeck im Jahre 1698.*) Der Thesaurus umfaßt etwas mehr als 500 Octav=Seiten. Die Prolegomena handeln von der Deutlichkeit der Schrift und der Nothwendigkeit der hermeneutischen Wissenschaft. Cap. 1. zeigt, was Hermeneutik sei und welche Methode dabei zu befolgen sei, wobei die bereits befolgten Darstellungsweisen recensirt werden. Cap. 2. handelt von dem zu interpretirenden Texte; Cap. 3. von dem Sinn der Schrift; Cap. 4. von den erforderlichen Eigenschaften eines Interpreten; Cap. 5—14. von den hermeneutischen Mitteln, a. den innern, d. i. 1) lexis, taxis, phrasis, 2) alleluchia (Synapheia und schesis) und analogia (scripturae und fidei); b. den äußeren (die Hülfsdisciplinen und die Exegeten). Das letzte Capitel handelt endlich von der besten Weise der Auslegung. Für einen besonderen Vorzug dieser Hermeneutik sehen wir an, daß das Ganze des darin entwickelten Systems der Auslegung in 200 Canones bündig und scharf gefaßt ist, deren Sinn, Richtigkeit und Anwendbarkeit immer ebenso bündig und überzeugend nachgewiesen wird. Zur Characterisirung der Schrift theilen wir hier einige jener Canones mit. Canon 1: „Der Sinn des Buchstabens oder der grammatische Sinn ist nicht immer und in allen Stellen der buchstäbliche.“ (Vergl. Gen. 49, 14. Luc. 13, 32. Jes. 11, 6—8. Matth. 5, 29. 30.) Canon 2: „Der Sinn des Buchstabens ist nicht zu verlassen, insonderheit was die Substantialia betrifft, wo ein Artikel des Glaubens seinen eigentlichen Sitz hat.“ Canon 3: „Der Sinn des Buchstabens ist zu verlassen, wo ein unbezweifelter, deutlicherer Parallelismus die tropische Auslegung fordert.“ (Vergl. Luc. 11, 20. mit Matth. 12, 28.) Canon 4: „Der Sinn des Buchstabens ist zu verlassen, wo die Analogie des Glaubens die tropische Auslegung fordert.“ (Vergl. 2. Sam. 24, 1. mit Ps. 5, 5.) Canon 5: „Der Sinn des Buchstabens ist zu verlassen, wo die Natur der Sache die tropische Erklärung nöthig macht.“ (Vergl. 1 Cor. 8, 13.) Canon 6: „Jede Stelle der heiligen Schrift läßt den buchstäblichen Sinn zu“ d. h. „der vom heiligen Geist mit den Worten zunächst intendirte Sinn ist immer der buchstäbliche, mögen nun die Worte in ihrem eigentlichen oder in einem uneigentlichen Sinne zu nehmen sein.“ Canon 7: „Jede Stelle hat nur Einen buchstäblichen Sinn.“ (Das Wort „Nehmet hin und esset“ heißt nicht in Betreff des Brodes, mündlich essen, und zugleich in Betreff des Leibes Christi, glauben!) Canon 9: „Allein der buchstäbliche Sinn ist beweiskräftig.“ Canon 10: „Der mystische Sinn der heiligen Schrift ist entweder der (von dem heiligen Geist zunächst und eigentlich *) Jöcher erzählt von Pfeiffer, derselbe habe einst als fünfjähriger Knabe einen so harten Fall vom obersten Stock des Hauses herab gethan, daß man ihn für todt hielt und bereits Anstalten zu seinem Begräbniß machte; als aber die ältere Schwester des Knaben demselben das Sterbekleid anzuziehen beschäftigt gewesen sei, habe sie ihn dabei unversehens mit einer Nadel in den Finger gestochen; hierauf habe der vermeinte Todte sich plötzlich bewegt und den Finger zurückgezogen und sei sodann zur unaussprechlichen Freude der Seinigen zum vollen Bewußtsein zurückgekehrt.