# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Mai 1855_S138 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 138 Lutherisch=theologische Pfarrers=Bibliothek. sich auch in Betreff der vorhandenen Verschiedenheit in dem Bibeltext offenbart. Je weniger Zeit und Hülfsmittel ein hiesiger Theolog hat zu einem selbstständigen Studium der neutestamentlichen Texteskritik, und je mehr nach Bengel diese Kritik zur Hyperkritik und die Skepsis Princip der Untersuchung geworden ist, desto dringender ist einem jeden das Werk Bengels zu empfehlen, der anerkanntermaßen für das neuere Gute in der Behandlung und Anwendung dieser Wissenschaft die Bahn gebrochen hat. Hierzu kommt, daß Bengel die unvergleichliche Gabe hat, auch das Sterilste durch seine ganze das Gepräge heiliger Gottesfurcht tragende Behandlung und durch Einstreuung kurzer, nervöser, gesalbter Bemerkungen saftig zu machen. Als zweites isagogisches Werk für das Neue Testament nennen wir hier die „Historisch=kritische Einleitung in das Neue Testament von Heinrich Ernst Ferdinand Guericke, Dr. der Philosophie und Theologie und Professor der Theologie zu Halle. Leipzig bei Köhler. 1843.“, worin sich außer der allgemeinen Einleitung in den neutestamentlichen Canon auch specielle in jede einzelne Schrift desselben finden. Wie alle Schriften Guericke's, so enthält auch diese Isagogik eine so gedrängte Fülle von Material in übersichtlicher Ordnung, daß kein Werk dieser Art aus neuerer Zeit, auch abgesehen von Rechtgläubigkeit, dem Guericke'schen an die Seite gesetzt werden kann. Es ist freilich nicht zu leugnen, daß der theure hochverehrte Verfasser den gelehrten Feinden und Verfälschern des Christenthums und der Bibel gegenüber auch in dieser Schrift in einer Weise redet, die denjenigen anstößig sein muß, welche erkannt haben, daß man dergleichen Feinde nach Matth. 5, 18. 19. Joh. 8, 43—45. beurtheilen und behandeln müsse. Dr. Guericke macht selbst hie und da den Widersachern Conzessionen, die mit dem Glauben der Kirche an die Inspiration der heiligen Schreiber schwerlich in Einklang zu bringen sein dürften. Wie immer bei dem Gebrauch neuerer Schriften, wird es daher dem angehenden Theologen auch hier vonnöthen und ersprießlich sein, darneben auch das Werk eines älteren reinen Theologen zu gebrauchen. Wir empfehlen hierzu insonderheit Johann Gerhard, der zu seinen Loci theologicis einen Supplementband unter dem Titel: „Exegesis sive uberior explicatio“ herausgegeben hat, worin sich u. A. auch eine ganz vortreffliche Isagogik des Alten und Neuen Testaments in nuce findet. Wir werden auf dieses Werk weiter unten bei dem dogmatischen Fache wieder zurück kommen. 4. In vierter Reihe des Faches für Exegese stehen diejenigen Werke, welche die Regeln für die richtige Bibelauslegung oder die biblische Hermeneutik enthalten. Unsere Kirche ist an dergleichen Werken so reich, daß es in der That schwierig ist, daraus dasjenige auszusuchen, welches vor anderen keines Falls in der Bibliothek eines lutherischen Pfarrers fehlen dürfe. Sollen wir das nennen, welches mit Kürze die meiste Vollständigkeit und Gründlichkeit verbindet, so wissen wir kaum ein passenderes zu nennen, als folgendes Werkchen: Augusti Pfeifferi Thesaurus hermeneuticus. Der Verfasser dieser Schrift war Professor der orientalischen Sprachen (in deren