# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Mai 1855_S136 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 136 Lutherisch=theologische Pfarrers=Bibliothek. daß nehmlich dieselben in dogmatischem Interesse geschrieben sind, gilt uns Lutheranern für einen nicht genug zu rühmenden Vorzug, da wir wissen, daß die lutherische Dogmatik nichts anderes, als eine biblische Theologie ist und daß eben dann gewiß der Sprache Gewalt angethan worden ist, wenn die angebliche unpartheiische Sprachforschung auf andere Resultate von dem Inhalte der heiligen Schrift führt, als in unserer Dogmatik niedergelegt sind. Daß man jetzt von Seiten der Gelehrten so gern unsere alten Hülfsmittel zum Verständniß des biblischen Originaltextes in Verachtung oder doch in Vergessenheit zu bringen sucht, hat offenbar nur zu oft seinen Grund in einem Ekel an dem Glauben, dem jene Hülfsmittel dienen, und nicht in der Mangelhaftigkeit der Sprachkenntniß, wie man uns gern glauben machen möchte. Man muß oft mit Verwunderung wahrnehmen, wie gut Neuere die Werke der Alten für ihre alles Alte verdrängenden Productionen zu benutzen verstanden, und doch die Quellen, aus denen sie selbst vielfach ihre Weisheit schöpften, in Verruf zu bringen suchen. Es trifft hier oft das Sprüchwort ein: Was gut davon ist, ist nicht neu, das Neue nicht gut. — Für Anfänger in der griechischen Sprache nennen wir hier noch das kleine griechisch=lateinische Handwörterbüchlein Georg Pasor's, das an verschiedenen Orten und zu verschiedenen Zeiten herausgegeben worden ist, unter dem Titel: „Georgii Pasoris Manuale N. T.,“ was, aus so alter Zeit es auch stammt, selbst vor Winer's Augen laut mündlicher Erklärungen als ein noch immer sehr brauchbares Büchlein Gnade gefunden hat. Dieses Taschenlexicon ist besonders für diejenigen von großem Werthe, welche in den grammatischen Formen noch nicht fest sind. Uebrigens haben wir die lexicalischen Werke Stock's und das Pasor's um so lieber hier genannt, als gerade diese auf antiquarischem Wege leicht und um einen sehr geringen Preis zu haben sind. 3. In die dritte Reihe des Faches für Exegese stellen wir die Schriften, welche die biblische Isagogik enthalten. a. Was die alttestamentliche Isagogik betrifft, so ist noch immer das zuverlässigste und brauchbarste Werk, das ein lutherischer Theolog in dieser Branche der heiligen Wissenschaft zu Grunde legen kann, ein Doppel=Werk von Johann Gottlob Carpzov (Sohn des Oberhofpredigers Samuel Benedikt Carpzov's zu Dresden), gewesener Professor der morgenländischen Sprachen zu Leipzig, 1767 gestorben als Superintendent zu Lübeck. Der erste Theil dieses Doppelwerkes ist zuletzt, nehmlich im Jahre 1728, in Leipzig herausgekommen unter dem Titel: „Critica Sacra Veteris Testamenti,“ in Quarto. Das Werk zerfällt in drei Theile; der erste handelt von dem göttlichen Ursprung, der Authentie, Reinheit, Integrität und den Eintheilungen des hebräischen Grundtextes; der zweite Theil, von den der Kritik dienenden Uebersetzungen (namentlich der chaldäischen, den griechischen, samaritanischen, lateinischen); der dritte Theil endlich enthält eine ganz ausgezeichnete Kritik der Pseudo=Kritik des berüchtigten Arianers und Baptisten Will. Whiston (gest. 1752) und die Widerlegung gefährlicher den göttlichen Text