# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Mai 1855_S134 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 134 Lutherisch=theologische Pfarrers=Bibliothek. nig mit der Sprache umzugehen wußten; man begreift gar nicht, wie solche Männer in ihren mündlichen Vorträgen, wo diese Geschloßigkeit der Sprache gewiß noch mehr hervorgetreten sein muß, sich nur überhaupt verständlich gemacht, vielweniger, wie sie eine große Anzahl gebildeter Menschen für’s Christenthum gewonnen haben. Aber neben der lächerlichen Seite hat jenes Spiel mit pro und idemquod auch eine ernsthafte. Wird denn die Schrift, wie ein großer Sprachforscher längst angedeutet, nicht einer wächsernen Nase gleich, die jeder nach der Beschränktheit seiner Sprachkenntniß so und so drehen kann? ... Sollten alle die quid pro quo’s, welche eine Anzahl Interpreten der verflossenen Decennien den Aposteln in den Mund legte, einmal zusammengestellt werden, gerechtes Erstaunen müßte die Zeitgenossen ergreifen.“ (Siehe: Vorrede zu Winers Grammatik des neutestamentlichen Sprachidioms. Leipzig. 18[unleserlich]) So dankbar wir nun diese öffentliche Rüge eines so großen Sprachforschers, wie Winer, annehmen, welche derselbe vielen gibt, die in der jüngst vergangenen Zeit Großes in der biblischen Philologie geleistet zu haben vermeinten, und so erfreulich es ist, daß auch durch Männer wie Winer eine bessere Zeit in Betreff des Studiums der heiligen Sprachen herbeigeführt worden ist, so ist doch die Zeit noch nicht gekommen, wo ein rechtgläubiger Prediger einen Schlüssel für die heiligen Sprachen entbehrten könnte, wie ihn uns ein Christian Stock gegeben hat: Es ist einem Un- und Irrgläubigen nicht möglich die Sprache eines Buches recht zu lehren, dessen Inhalt ihm entweder ganz oder doch zum Theile eine Thorheit ist *). So hoch einst Luther achtete, was er im Grammatischen aus den Rabbinen gelernt hatte, so schrieb er doch: „Da steckt es, da liegt es, da bleibt es: wer diesen Mann, der da heißt JEsus Christus, Gottes Sohn, den wir Christen predigen, nicht recht und rein hat, noch haben will, der lasse die Biblia zufrieden, das rathe ich; er stößt sich gewißlich, und wird, je mehr er studieret, je blinder und toller, er sei Jüde, Tartar, Türke, Christe, oder wie er sich rühmen will . . . Wenn es sollte Wünschens und Wählens gelten, entweder, daß ich St. Augustini und der lieben Väter, das ist, der Apostel Verstand, in der Schrift sollte haben, mit dem Mangel, daß St. Augustinus, zuweilen nicht die rechten Buchstaben oder Worte im Ebräischen hat, wie die Jüden spotten; oder sollte der Jüden gewisse Buchstaben und Worte (die sie dennoch nicht durch und durch allenthalben haben,) ohne St. Augustini und der Väter Verstand, das ist, mit der Jüden Verstand, haben, ist gut zu rechnen, wozu ich wählen würde: ich ließe die Jüden mit ihrem Verstande und Buchstaben zum Teufel fahren, und führe mit St. Augustini Verstande ohne ihre Buchstaben zum Himmel. Denn ob Augustinus nicht kann, wie die Jüden, sagen Kilajon, da er Cucurbita sagt Jonä 4, 6., item, nicht kann sagen veniet Hemdath, da er veniet desideratus sagt Hagg. 2, 8. und dergleichen viel, so *) Wir gestehen gerne zu, daß, was das rein Sprachliche betrifft, vielleicht aus keiner Schrift eines Ungläubigen so vieles der rechten Bibelauslegung Dienendes zu lernen ist, als aus Winers genannter Grammatik.